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Nicht Drill, aber Disziplin

Ein Gespräch mit dem neuen Wiener Ballettchef Martin Schläpfer

Werden Sie auch selbst an der Schule unterrichten – oder sogar choreografieren?
Ich werde sicherlich Arbeiten für die Schule entwickeln oder einstudieren lassen und stelle mir einen wunderbaren Austausch vor. Unterrichten werde ich auch. Künstlerisch überwache ich die Akademie – aber ich kann sie natürlich nicht leiten. Von meinem Pensum her ist das faktisch unmöglich.

Wie wird das künftige Kinderschutz-Konzept aussehen?
Das Kinderschutzzentrum «Die Möwe» blickt von außen auf die Schule, der Leistungssport Austria führt bei jeder Aufnahme einen Gesundheitscheck durch und testet die Studierenden jährlich. Die Bundessportakademie erweitert das Ausbildungsspektrum der Pädagogen gezielt. Wir stellen einen verbindlichen Kodex für Umgangsformen auf und wir müssen das Gespräch mit den Eltern kultivieren – es gibt hier derzeit noch eine große Verunsicherung.

Ist es überhaupt möglich, ein bestimmtes Niveau zu erreichen, ohne physischen und psychischen Druck auszuüben?
Absolut! Es heißt immer, im Hochleistungssport braucht es Drill. Das glaube ich nicht. Es braucht selbstverständlich Disziplin. Aber ich bin davon überzeugt, dass man sämtliche pädagogischen Standards einhalten und trotzdem Tänzer ausbilden kann, die im internationalen Wettbewerb bestehen. Natürlich kann es Zwischenfälle geben, deshalb muss die Schule transparent sein. Wir müssen Probleme sofort mit den Eltern ansprechen und die Organisationen, die uns von außen stützen, einbeziehen. Denn Körperarbeit muss es bleiben. Und es muss eine Kunstform bleiben – Ballett ist kein Sport. Wir haben hier eine Menge zu verteidigen. Es geht um den Ruf der Ballettkunst. Wir haben ohnehin mit den Klischees zu kämpfen. Manche Ärzte sagen, der Tanz sei schlecht für den Körper. Aber es gibt auch viele Beispiele dafür, dass er etwas Wunderbares ist, und man nicht als menschliches Wrack – weder physisch noch psychisch – durch das Arbeitsleben gehen muss. Ganz im Gegenteil: Meiner Ansicht nach ist man mit dieser Berufsausbildung für alles im Leben gewappnet.

Das gesamte Gespräch mit Martin Schläpfer von Bettina Trouwborst lesen Sie in der August/September-Ausgabe von tanz