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Lebendige Theatergeschichte

Ein Nachruf auf den großen Jürgen Holtz

Seine letzte Rolle war der Galilei in Frank Castorfs Inszenierung von Brechts «Leben des Galilei» im BE, die ein zu ehrgeiziger Versuch war, Brecht mit Artaud zu konfrontieren und der das Theater als beunruhigenden «Denkraum» etablieren sollte, um der «Entzauberung der Welt» einen widerständigen Zauber entgegenzusetzen. Nur der «Fels» der Aufführung berührte: Jürgen Holtz, nackt, körperlich eher fragil und ohne Leibesfülle, verlieh Galileis Denken und seinen Argumenten eindringliche Leuchtkraft. Mit seiner Darstellung verkörperte er das von der Macht den Gelehrten verordnete, eingesperrte Leben, die gezwungenermaßen «entblößte» Widerstandskraft.

Holtz war eins mit diesem Galilei, er appellierte an die tauben Ohren der Geschlechter und ermunterte das Publikum, dem Theater und den Theatermachern Glaubwürdigkeit abzuverlangen. Seine Überzeugung war, dass das Theater nicht tot ist. «Es könnte sein», schrieb er in seinem Buch «He, Geist! Wo geht die Reise hin?», «dass eines Tages Dramaturgien so wie jetzt nicht mehr nötig sind, dass Regie, wie sie jetzt praktiziert wird, nicht mehr gebraucht wird. Das Theater, der Ort der magischen Verlebendigung der Toten und der Worte, ist es wert, neu entdeckt zu werden, neu verstanden und neu strukturiert zu werden. Es entsteht und wird unsere Fehler nicht wiederholen, sondern seine eigenen Fehler machen.»

Den gesamten Nachruf auf den Schauspieler Jürgen Holtz von Klaus Völker lesen Sie in der August/September-Ausgabe von Theater heute