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Jedermann ist gestorben

In memoriam Peter Simonischek

Ein Mannsbild. Ein Bild von einem Mann. Und Jedermann. Seitdem er von 2002 bis 2009 genau hundert Mal, so jedenfalls seine Zählung, und so oft wie niemand vor und nach ihm den «Jedermann « auf dem Salzburger Domplatz gespielt hatte, war er, zumindest in Österreich, überaus weltberühmt. Und seit er für Toni Erdmann in Maren Ades gleichnamigem Film, der eine Oscarnominierung bekam, den Europäischen Filmpreis als Bester Darsteller erhielt, war er, mit gerade mal siebzig, auch im internationalen Kino durchaus weltberühmt. «Er hat es dem Publikum nicht schwer gemacht, ihn zu mögen«, steht im Nachruf der «Neuen Zürcher Zeitung». Peter Simonischek hat es aber sich selbst nie leicht gemacht, von seinem Publikum gemocht zu werden, obwohl er es sich ganz leicht hätte machen können. Denn seine schauspielerische Natur und seine naturgegebene Statur erlaubten es ihm, wenn er wollte, einfach ein purer Überrumpler zu sein. Er hingegen wollte ein Figuren-Finder und -Hersteller, ein nachdenklicher Verführer sein, wenn es denn so etwas überhaupt gibt. Wenn es das gibt, dann konnte er es. Alles aus einer beseelten und durchdachten Verstellerkunst heraus erarbeitet. Dabei war es ihm nicht «in die Wiege gelegt», Schauspieler zu werden.

Der 1946 in Graz geborene Simonischek sollte, sein Vater war Dentist, auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin Zahnarzt werden; er begann, folgsamer katholischer Internatsschüler, der er gewesen war, zunächst eine Ausbildung zum Zahntechniker, neben dem offiziellen Architekturstudium. Heimlich aber nahm er Schauspielunterricht, denn in einer «Hamlet»-Aufführung, in die ihn sein Vater mitnahm, der sicher nicht wusste, was er tat, infizierte ihn der Titeldarsteller mit dem höchst ansteckenden Mimen-Virus, ein gewisser Michael Heltau. Nach der Schauspielschule folgte Simonischek einem altbewährten Rezept, wie er im «Theater heute»-Gespräch erzählte, das wir vor vier Jahren führten, als er «50 Jahre als Ensemblespieler» feierte: «Von der Schauspielschule erst mal in die Provinz gehen und ‹groß› spielen. Oder an ein großes Haus und ‹klein› spielen. Die bessere Variante schien damals die erste zu sein. Und so hab ich es dann auch gehalten. Zwei Jahre St. Gallen, zwei Jahre Bern, zwei Jahre Darmstadt und dann drei in Düsseldorf, die beiden letzten Stationen bei Günter Beelitz.«

Den gesamten Beitrag von Michael Merschmeier lesen Sie in Theater heute 7/23

Das Gespräch mit Peter Simonischek von 2019 finden Sie hier