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Rezensionen Juli 2021

Aribert Reimann: König Lear in München

Christian Gerhaher hat sich für sein Rollendebüt, zu dem ihn Intendant Nikolaus Bachler überredete, neu erfunden. Was bleibt und was man von ihm kennt, das sind die feinen Klangsilbenabschmeckungen, das Hineinhorchen in die Verästelungen und Nebenwege der Gesangslinie und in ihre Zwischenräume. Besonders nach der Pause, wenn der König immer mehr verlischt und hinübergleitet in eine, seine andere Dimension, praktiziert Gerhaher dies, bis er den Schlussmonolog so singt, als sei’s ein Lied von Schumann. Doch die Gewalt zuvor, das Eruptive in der Verfluchung der Töchter und in der Heide-Szene, kannte man von diesem Bariton nicht. Eine graue, breite, beißende Dramatik hat sich Gerhaher dafür zurechtgelegt. Eine Hyperintensität, die kontrolliert bleibt – gerade weil sich dieser Künstler auch im heftigsten Espressivo die hemdaufreißende Identifikation verbietet. Demnächst steht wohl der «Rheingold»-Wotan an, nach der Premiere ist das keine Überraschung.

Die gesamte Rezension von Markus Thiel lesen Sie in opernwelt 7/21