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Kunst & Klima

Über nachhaltiges Wirtschaften am Theater

Was wäre politisch nötig, um den Theatern das nachhaltige Wirtschaften zu ermöglichen?
Büdenhölzer
Perspektivisch wäre es fantastisch, wenn die Theater Klimabudgets bekämen. Am besten gekoppelt an die monetäre Förderung: Wenn die Kulturinstitutionen wirklich nicht nur mit einem Gesamtbudget, sondern auch mit einem CO 2 -Budget haushalten, bzw. wenn sie das überschreiten, bezahlen müssen, ist das vermutlich der einzige Hebel, der zu einer veränderten Planung führt. Erst dann wird genauer überlegt, wie viel Emission in welche Produktion gesteckt wird.

Hügelmeyer Wir brauchen eine Mischung aus Selbstverpflichtung und politischem Druck. Wir, die im Moment rein aus Selbstverpflichtung her aus agieren, schwimmen argumentativ sehr schnell, wenn es um echte Veränderungen im Produktionsablauf geht. Da muss es in Zukunft unbedingt von Seiten der Politik Rückhalt geben. Das ist natürlich ein Riesenstreitfeld, das schließlich auch in den Bereich der Kunstfreiheit eingreift. Man könnte aber auch über Zertifikatehandel nachdenken zwischen großen und kleinen Häusern ...

Dennoch wäre die Frage, wer da die richtige Höhe festlegt, bzw. welche Vergleichsgröße man wählt. Wenn zum Beispiel, Stichwort Klimagerechtigkeit, ein entsprechendes Festival in Ouagadougou schon längst einen sehr viel kleineren Abdruck hat ...
Büdenhölzer
Nach einer CO 2 -Footprint-Analyse mehrerer großer Festivals – etwa der Wiener Festwochen, des Theatertreffens, der Ruhrtriennale und der Theaterformen – wäre eine Vergleichbarkeit gegeben, und man sollte sich gemeinsame Ziele setzen.

Hügelmeyer Und schließlich wissen wir jetzt schon, dass wir weltweit bis 2050 80 Prozent weniger emittieren müssen. Das ist ein Leitwert. Entsprechend müssten die politischen Entscheidungsgremien einen Wert festlegen, den die Institutionen genauso verwalten wie ihre monetären Zuschüsse. Wir als Institution haben uns jedenfalls auf die Agenda geschrieben, unsere Verwaltung bis 2030 klimaneutral zu organisieren, also zu versuchen, 80 Prozent weniger zu emittieren und davon 20 Prozent zu kompensieren. Was vielleicht ohnehin passiert, schließlich sind die Bundesbehörden dem Klimaschutzgesetz verpflichtet. Ob das auch die Theater betrifft, wird man sehen.

Das gesamte Gespräch mit Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Theatertreffens der Berliner Festspiele, und Christoph Hügelmeyer, technischer Direktor bei den Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin, lesen Sie in Theater heute 7/21