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Kampf mit Körper

In memoriam Raimund Hoghe

Hoghe formte ein neues Genre, das der (auto-)biografischen Solo-Choreografie, die zugleich ein soziales und politisches Archiv eröffnete. Seine Arbeiten intensivierten auf einzigartige Weise die Wahrnehmung, mit der Dunkelheit und den kleinen Dingen, die er liebte, mit seiner Genauigkeit, in berührenden Duetten und großen, farbigen Gruppenstücken – mit einem festen Stamm von Tänzer*innen, die Hoghe sehr nahe und wichtig waren. Uraufgeführt wurden sie oft in Montpellier, beim «Festival d’Automne» in Paris, anfangs am Kaaitheater in Brüssel, am tanzhaus nrw und kontinuierlich im Pumpenhaus in Münster. Dort sollte auch die letzte Produktion, «Traces», im Dezember 2020 herauskommen. Spuren, von dem, was übrig bleibt, wenn Menschen ihr Leben verloren haben. Die Werbepostkarte für das Stück zeigt ein junges Mädchen, an der Hand einen kleinen Jungen im Spielanzug, der neugierig auf die Rollschuhe seiner Begleiterin blickt. Es ist Hoghe mit seiner Schwester, fotografiert von der Mutter. Sie war eine starke Frau, erzählte Hoghe, sie habe ihn so angenommen, wie er war. Von ihr habe er die Kraft erhalten, das zu tun, was er tun müsse. Auch den Körper in den Kampf zu werfen. Sein Arbeitsmotto. «Wenn ich Stellung beziehen will, muss ich das selbst tun – ich kann nicht einem Tänzer mein politisches Statement auf den Körper schreiben. Ich muss das mit meinem Körper machen», schrieb er. Sein Körper hieß: mit der Rückgratverkrümmung, als Beispiel für Beharren und aufrechtes Aufbegehren gegen Ausgrenzung und Abwertung.

Den gesamten Nachruf auf Raimund Hoghe von Katja Schneider lesen Sie in tanz 7/21