Bis März 2020 sei ihr Geschäft bestens gelaufen, sagt die Tanz-Agentin Assis Carreiro und seufzt. «Jetzt sind natürlich fast alle meinen Klienten arbeitslos. Kaum sind Verträge, Reiserouten, Ideen vereinbart, ändert sich die Weltlage, und man beginnt von vorn.» Sie selbst hat deshalb schwer zu tun und ist auch froh darüber, denn «Arbeit erdet, gerade jetzt». Ihr Einkommen implodierte 2020 um ein Drittel, für dieses Jahr rechnet sie mit weit dramatischeren Ausfällen: «Anfangs wurden die meisten Produktionen bloß verschoben. Jetzt kommen die Absagen.» Sie sei so weit noch recht glimpflich davongekommen, meint sie, dank eines sehr internationalen Portfolios.
Verträge schließt sie immer noch ab – oft für 2023, 2024. Auch der digitale Markt ist rege. In Australien und Neuseeland sind die Einschränkungen gering, Russland fliegt unverdrossen Leute ein. In Amerika wird online hart gearbeitet, weil es dort keinen Subventionspuffer gibt. Gezahlt werde zwar zwischen praktisch nichts und wenig, aber der Schöpfungswille sei gewaltig. «Freilich liegt die Onlinearbeit nicht jedem – manche toben sich gern vor der Kamera aus, andere leiden darunter, sich kaum noch als Körper im realen Raum zu erleben. Das Gemeinschaftserlebnis im Theater ist etwas Besonderes.» Die Arbeit im Netz habe ihre Berechtigung, manchmal sogar Vorteile, meint sie. «Aber ohne den Wettbewerb, der sich in der Live-Situation einstellt, leidet bei vielen Tänzern die Form. Je länger das währt, desto schlimmer. Tanzkarrieren sind kurz – jeder Tag zählt. Für Absolventen, die gerade in der Form ihres Lebens sind, gibt es keine Auditions, keine Jobs.»