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Wenn nichts mehr reist…

Was tun Tourneeveranstalter in der Corona-Krise?

Franziska Grevesmühl und Claudia Bauer von ecotopiadance, Meinrad Huber und Ralf Kokemüller (BB Promotion) und Franziska Grevesmühl (Grevesmühl) geben Auskunft.

Wie geht es weiter, wenn sie dann endlich wieder spielen dürfen? Franziska Grevesmühl sagt: «Ich höre mit Sorgen, was einige Kollegen berichten, bei denen geht es wirklich um die Existenz. Wenn wir zur neuen Spielzeit nicht wieder eröffnen können, dann müssen wir wirklich darüber nachdenken, wie das hier alles weitergeht. Dann wird’s brutal.» Zur Angst vor dem wirtschaftlichen Fiasko kommt das Schlagwort von der Relevanz: «In einer Welt, in der alles monetär gemessen wird, sind wir nicht systemrelevant – aber der Mensch besteht doch aus mehr! Ist Kultur nicht ein Lebensmittel?», fragt sich Claudia Bauer: «Eine geänderte Lebensphilosophie ist das Einzige, was uns hilft. Wir müssen andere Werte entwickeln!» Sie plädiert dafür, die Zuschauer so schnell wie möglich in die Eigenverantwortung zu entlassen: «Warum können nicht die Menschen selbst entscheiden: Ich will ins Theater gehen, ich will dieses und jenes machen.» Statt nur auf Virologen bitte auch auf die Ethiker und Soziologen hören, das fordert Meinrad Huber. Und der Chef von BB Promotion, der den Unterschied zwischen Kultur und Entertainment ohnehin für eine deutsche Borniertheit hält, fragt sich ganz nüchtern, «wie sich das Publikum verhält, wenn wir aus dieser Krise rausgehen: Kommt ein älteres Publikum überhaupt direkt wieder, oder sind die erst mal verängstigt und verhalten sich vorsichtiger?»

Noch gibt es die Hoffnung, nach einem halben Jahr mit herben Verlusten so eben noch durchzuschrammen durch die Krise und – hoffenlich! – im Herbst wieder durchzustarten. Ralf Kokemüller (BB Promotion): «Als Veranstalter ist man ja immer Optimist. Ich warte darauf, dass irgendwann der Vorhang wieder aufgeht. Wir machen das ja alle, weil wir gerne unter Menschen sind und gerne ins Theater gehen!». «Das ist der Grund, weswegen wir durchhalten!», stimmt Franziska Grevesmühl (Grevesmühl) zu, die für sich selbst immerhin etwas Positives gefunden hat an dieser Krise: «Seit 20 Jahren bin ich jetzt hier Geschäftsführerin, und mir ist aufgefallen: Ich mach das wirklich gerne! Ich möchte das wirklich weitermachen!» Genau wie ihre Kollegen hoffen Claudia Bauer und Meinrad Huber auf einen baldigen Probenbeginn, auf die Öffnung der Theater und der Grenzen, damit alle wieder produzieren und reisen können: «Viel länger lässt sich das ohne Netz und doppelten Boden nicht durchhalten.»

Den gesamten Beitrag von Angela Reinhardt
finden Sie in der Juli-Ausgabe von tanz.