«Singen muss ein Verströmen von Liebe sein» – war einer von Christa Ludwigs oft gesagten Credo-Sätze. Und beim Thema Erotik auf der Bühne vertraute sie, wie sie einmal hintersinnig zugab, ihrer Erfahrung: «Entweder, man hat alles selbst erlebt – oder glaubt wenigstens dran.» Überhaupt gab sich die Ludwig, die zunächst mit Bariton Walter Berry, dann mit dem Regisseur Paul-Émile Deiber verheiratet war, entwaffnend offen im Gespräch. Über die «Pressleiberl», die ihr als Octavian und Orlofsky den Busen abschnürten, konnte sie sich echauffieren. Und sie war in der Haifischszene, die auf jede Schwäche lauerte, vielleicht die erste, die von jener Phase sprach, die Stimme und Karriere gefährdet und in der plötzlich alle gute Erfahrung nichts mehr gilt, weil mit mühevoll eingesetzter Technik vieles neu aufgebaut werden muss.