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Sport und Stimme

Kate Lindsey über Hosen-Rollen

Waren Sie schon mal an einem Punkt, an dem es nicht weiterging?

Von Stimmkrisen bin ich glücklicherweise bislang verschont geblieben. Hürden waren immer eher mentaler Natur. Ich bin ganz groß im Selbstzweifeln, fühle mich bei jeder neuen Partie schier erdrückt von der Verantwortung, und Lampenfieber ist wahrlich kein Fremdwort. Am Schlimmsten finde ich das Warten bis zum Abend. Wenn doch alle Vorstellungen Matineen wären! Dann bliebe noch etwas übrig vom Tag. Ein schönes Essen, früh ins Bett – herrlich! Früher dachte ich, die Auftrittsängste würden mit zunehmender Berufserfahrung verschwinden – tun sie aber nicht. Inzwischen habe ich das einfach akzeptiert, komischerweise wurde es dadurch leichter. Für Angst wird viel Energie mobilisiert, die versuche ich, auf der Bühne produktiv umzulenken. Heute weiß ich, was ich brauche, um konzentriert und ruhig zu bleiben. Oder wenigstens so ruhig wie möglich. Übrigens hat mir dabei die Beschäftigung mit Sportpsychologie sehr geholfen.

 

Die meisten Darsteller brauchen den Auftritt mehr, als dass sie ihn fürchten.

Klar, ich auch. Es gibt nichts Schöneres! Nicht auf die Bühne zu dürfen, wie jetzt, fühlt sich ganz merkwürdig an. Als Kind war ich übrigens wahnsinnig schüchtern. Ich konnte es zwar nicht erwarten, endlich in den Chor zu dürfen wie meine älteren Geschwister. Und wenn sie Aufnahmen von ihren Konzerten nach Hause brachten, legte ich sie auf, um mitzusingen und mitzutanzen. Aber nicht als Show für andere, sondern ganz allein in meinem Zimmer, um Dampf abzulassen! Das funktioniert übrigens bis heute: Nach dem Üben bin ich immer viel ruhiger.

 

Sie haben eben die Sportpsychologie erwähnt. Spielen Sie eigentlich noch Fußball?

Leider nein, das Verletzungsrisiko ist zu groß. Und den Team-Verpflichtungen könnte ich gar nicht nachkommen ... Spaß hat es schon gemacht. Was meine erste Gesangslehrerin alles mitmachen musste zu Highschool-Zeiten! Da kam ich schwitzend und stinkend direkt vom Training in den Unterricht (lacht). Heute muss alles reisetauglich sein: Ich gehe Laufen, mache Yoga, auch High Intensity Training macht mir Spaß.

 

Das gesamte Gespräch mit Kate Lindsey von Wiebke Roloff Halsey lesen Sie in der Juniausgabe von Opernwelt.