Inhalt

Scala mit Verdi im Dom

Italiens Opern planen den Neustart

In Italien wird allenthalben an Plänen für eine Wiederaufnahme des regulären Spielbetriebs gearbeitet. Carlo Fuortes, Intendant des Teatro dell’Opera di Roma, schlug – analog zum Modell der «Euro-Bonds» – die Ausgabe sogenannter Kunst- und Kultur-Bonds vor, um die Liquidität bedrohter Kultureinrichtungen zu sichern. Das Ingenieurbüro GAe erarbeitete (für ein Turiner Kino) eine Studie, wie der Spielbetrieb unter Bedingungen des social distancing funktionieren könnte: gestaffelte Einlasszeiten, kontrollierte Besucherführung (wie auf Flughäfen), Messen der Körpertemperatur (bei Werten von über 37,5 °C werden Betroffene über eine eigens eingerichtete Route «abgeführt»), Reduzierung der belegten Plätze. Außerdem regen die GAe-Autoren die Entwicklung einer für den Ticketkauf entwickelten multifunktionalen App an, die Besuchern u. a. beim Einlass das Schlange stehen erspart. Sie könnte via Bluetooth zugleich genutzt werden, um die Einhaltung des Sicherheitsabstands innerhalb der Theater zu kontrollieren. Über sie könnten zudem «virtuelle Sitzplätze» (anstelle der im Saal freien) für das heimische Stream-Erlebnis gebucht werden.

 

Einstweilen gibt sich das Flaggschiff der italienischen Opernhäuser optimistisch: Die Scala ist entschlossen, ihre (provisorische) Herbstsaison im September mit Verdis «Messa da Requiem» im Mailänder Dom zu eröffnen. Am Pult: Riccardo Chailly. Dahinter steht auch der Wunsch, an das Jahr 1946 zu erinnern, als der 79-jährige Arturo Toscanini aus dem Exil zurückkehrte, um die nach der Bombardierung durch die Alliierten wiederaufgebaute Scala zu eröffnen. Seinerzeit hatten sich 5000 Zuschauer in dem Gebäude versammelt, weitere 4000 Menschen lauschten auf dem Vorplatz und in den angrenzenden Straßen, Millionen verfolgten die Aufführung am Radio. Pragmatiker pochen freilich darauf, dass die Gefahrenlage vollständig unter Kontrolle sein müsse. Das sieht auch Scala-Intendant Dominique Meyer so: «Es ist klüger abzuwarten, bis sich die Dinge zumindest wieder annähernd normalisiert haben.» Aber es gibt durchaus andere Stimmen. Daniel Oren zum Beispiel, ständiger Gastdirigent am Teatro San Carlo in Neapel und derzeit Musikchef der Opernfestspiele Arena di Verona, plädiert für eine sofortige Rückkehr zur Normalität: «Mit Masken singen? Wieso eigentlich nicht? Zwar käme dann nur die Hälfte der Stimme durch, aber im Augenblick ist es nun mal wichtig, überhaupt zu singen!»

 

Den gesamten Beitrag von James Imam lesen Sie in der Juniausgabe von Opernwelt.