Inhalt

The City Ever Sleeps

Ayad Akhtar über New York am Nullpunkt

An dem Morgen, als der Ölpreis so stark einbrach wie nie zuvor in der Geschichte des Ölhandels, redeten meine Verlobte und ich darüber, die Stadt zu verlassen. Wir haben ein Haus zwei Stunden nördlich von New York, inmitten von großen Farmen und Wäldern, und wir beschlossen, loszufahren. Während unserer Fahrt brachen überall die Märkte ein, und am Ende der Woche arbeiteten fast alle, die ich kannte, im Homeoffice. Mein Verleger versuchte immer noch, Leseexemplare der Neuerscheinungen an Kritiker und Leser zu verschicken; die Assistenten trugen Plastikhandschuhe, als sie die Postsendungen zusammenstellten. Im Supermarkt waren die Regale mit Nudeln und Mehl leer. Und natürlich gab es nirgends mehr Toilettenpapier.

 

Die Theater waren immer noch geöffnet, zumindest am Broadway, und einige Produzenten senkten die Eintrittspreise gegen null, um das Publikum zu halten. Das funktionierte nicht, aber ohne die offizielle Verfügung, die Häuser zu schließen, übernahmen die Versicherungen die Kosten für die Absage von Vorstellungen nicht. Die fanden jetzt vor leerem Parkett statt und kosteten allabendlich eine Menge Geld. Die kleineren Theater hatten bereits geschlossen; ihr überwiegend jüngeres Personal wurde viel zu schlecht bezahlt, um das Risiko weiterer Vorstellungen zu rechtfertigen. Nach und nach stellten die Theater im ganzen Land den Betrieb ein. Das Publikum der Theater außerhalb New Yorks ist meist älter und damit am ehesten gefährdet, an dieser neuartigen Infektion zu sterben. … Unsere Theater waren nun geschlossen. Die Broadway-Versicherer standen angesichts des Ausmaßes der Verluste unter Schock. Als Wiedereröffnungstermin wurde erst der April, dann der Juni, schließlich der September diskutiert. Wird dann noch jemand ins Theater kommen? Das fragen sich alle, und niemand weiß es. Die Produzenten zahlen dafür, dass die Bühnenbilder auf den Bühnen bleiben und die Darsteller in den Verträgen. Wie lange können sie sich das leisten? Es ist schwer vorstellbar, dass in nächster Zeit Touristen durch die Straßen New Yorks schlendern und in die Theater gehen. Einige von uns hörten, was in Deutschland geschah, und wir konnten es kaum glauben: Der deutsche Staat öffnet ein 50-Milliarden-Euro-Hilfsprogramm für den Kultursektor? War das ein Druckfehler? Knappe 50 Millionen Dollar ist alles, was unser großes Land für seine hungernden Künstler aufbringt.

 

Den gesamten Beitrag des Dramatikers Ayad Akhtar lesen Sie in der Juniausgabe von Theater heute.