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Rezensionen Mai 2021

Schubert: Die schöne Müllerin

Diese Aufnahme zeigt Schubert als einen Komponisten, der moderner ist, als er selbst es wohl jemals ahnte. Fangen wir mit dem Pianisten an: Daniel Heides Spiel beantwortet die heiter-rhetorische Frage Gerald Moores, ob er denn zu laut sei, mit einem klaren Nein. Nie je gerät seine Dynamik außer Façon, nie je drängt er über seinen Partner Schuen hinaus. Aber er ist beileibe nicht der untertänige Diener des Baritons. Sondern leidet in jeder Phrase mit, stützt den Wanderer dort, wo es nötig ist, antizipiert dessen Stimmungswechsel. Wie beispielsweise im zweiten Lied «Wohin». Erst fließen sanft und leise akzentuiert die Sextolen dahin, singt der Bauch sein liebes Lied. Doch just in dem Moment, bevor Schuen wissen will, ob es «denn meine Straße» sei, auf der er wandelt, verdunkelt sich der Klavierklang zur Rhetorik des Zweifels.

Der in der «Schönen Müllerin» implizite Wirklichkeit ist. Beharrlich wandelt der Zyklus zwischen Dur und Moll, Hoffen und Bangen, Leiden und Leidenschaft, zwischen Siegesgewissheit und völliger Verzweiflung. All diese Stimmungswechsel werden vom Gespann Schuen/Heide minuziös nachvollzogen, mit einer nachgerade perfekt austarierten Agogik, die noch den feinsten Schattierungen nachspürt.

Die gesamte Rezension von Jürgen Otten lesen Sie in Opernwelt 5/21

Schubert: Die schöne Müllerin
Andrè Schuen (Bariton), Daniel Heide (Klavier)
Deutsche Grammophon 483 9558 (CD); AD: 2020