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Wunderkind aus der Presse?

Der Komponist Erich Wolfgang Korngold

Am 29. Mai 1897 in Brünn geboren und ab 1901 in Wien aufgewachsen, nahm Erich Wolfgang Korngold bereits als Kind bei Alexander von Zemlinsky Unterricht. Gustav Mahler bezeichnete den Jungen als «Genie» (was, so behauptete eine damals in Wien kolportierte Anekdote, Karl Kraus im privaten Kreis ätzend kommentierte: Einer, der aussehe wie Erich, könne kein Genie sein). Immerhin kam im Jahr 1910 an der Wiener Hofoper die Ballettpantomime «Der Schneemann» von Korngold jr. in Zemlinskys Orchestrierung heraus. Gerade 13 Lenze zählte der junge Tonschöpfer damals, mit der Komposition des Stücks hatte er bereits als Elfjähriger begonnen. Da sein Vater, der Musikkritiker Julius Korngold, die Uraufführung kraft seines Kritikeramtes forciert hatte, gab es einen Sturm im Wasserglas, die sogenannte Korngold-Affäre; viel Gift spritzte damals virtuell über die Marmortischplatten der Wiener Kaffeehäuser. In einer Ende 1910 in der «Fackel» erschienenen Glosse mit dem Titel «Der kleine Korngold» bezeichnete Karl Kraus diesen spöttisch als «fetten Knaben»; er stellte ihn dem Wunderkind Mozart gegenüber, das «wohl mit Talent, aber ohne Presse zur Welt gekommen» sei und fragte, «was aus diesem anderen Wolfgang hätte werden können, wenn sein Vater so die Hand im göttlichen Spiel gehabt hätte wie der alte Korngold ...»

Dass der Letztere sich wie erwähnt als erklärter Gegner des Schönberg-Kreises gerierte, goss zusätzlich Öl ins Feuer, zumal sein Sohn sich kompositorisch ziemlich strikt an die väterlichen Vorgaben zu halten schien. Noch als beinahe Dreißigjähriger, dem Wunderkind-Image längst entlaufen, komponierte Erich im (Un-)Geist des Vaters etwa ein Pamphlet gegen die musikalische Moderne: Seine «Vier kleinen Karikaturen für Kinder» op. 19 (1926) sollten Schönberg, Strawinsky, Bartók und Hindemith desavouieren; Korngold suchte darin unter anderem die Atonalität als ein Verfehlen der «richtigen» Tasten auf dem Klavier, wie es Dilettanten passiert, ins Lächerliche zu ziehen.

Den gesamten Beitrag von Gerhard Persché lesen Sie in Opernwelt 5/21