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«Ich umarme die Realität»

Der Choreograf Andonis Foniadakis

Foniadakis’ Schöpfungen rauschen heran, abstrakt und ungestüm zugleich. Sie branden gegen die eigene Wahrnehmung, türmen sich zu monumentalen Gebilden und entfernen sich wieder, wie Meereswellen. Was er selbst mit seiner Herkunft erklärt: «Ich bin auf Kreta geboren, am wildesten Strand Europas aufgewachsen. Das Spiel der Elementarkräfte hat mich weit stärker beeinflusst als sämtliche Choreografien, die ich getanzt habe. So gesehen ist es ein Glück, dass ich erst mit zwanzig zum Tanz kam: Ich war schlicht zu alt, um mich einem Guru zu unterwerfen.» Nach Stationen beim Béjart Ballet in Lausanne und am Ballet de Lyon begann Foniadakis selbst zu choreografieren, heute ist er weltweit im Einsatz. Selbst unter Corona hat er weiter geackert, ohne Pause: «Die Arbeit hat absoluten Vorrang. Ich vermeide jede nur mögliche Ansteckungsquelle, verzichte auf private Kontakte, auch auf Sex.»

Das sagt er ganz nüchtern, bar aller Koketterie oder Larmoyanz: «Ich umarme die Realität. Selbst wenn sie mir nicht gefällt.» Was nach Mainstream und Mehrheitsgeschmack riecht, ruft sein Misstrauen hervor: «Geschichten und Plots interessieren mich nicht. Ich frage immer nur nach den Menschen, nach der Condition humaine. In ‹Palmos› treibe ich das auf die Spitze, indem ich mir einen ganz persönlichen, um nicht zu sagen privaten Ansatz erlaube.» Den freilich die meisten von uns nachbuchstabieren können: Wie oft müssen wir die Liebe verfehlen, bis der zündende Funke überspringt? Bis wir uns selbst loslassen können?

Mehr über den Choreografen Andonis Foniadakis und sein neues Stück „Palmos“ von Dorion Weickmann lesen Sie in tanz 5/21