Als Baby, so hat es ihr die Mutter erzählt, habe sie am liebsten im Dunkeln gelegen und vor sich hin gebrabbelt. Wenn ein Fremder in den Kinderwagen schaute, soll sie angefangen haben zu schreien. «Das stimmt wohl», sagt Aenne Schwarz. «Bis heute.»
Eine Schauspielerin, die am liebsten im Dunkeln liegt? Die Angst davor hat, angeschaut zu werden – geht das? Ja, sagt Aenne Schwarz. Denn wenn ein Theaterabend gelingt, wenn die Spielenden miteinander verbunden sind und alle das Raumschiff entern, dann werde es zwischen ihnen und um sie herum ruhig. Egal, ob sie gerade alle schreien oder schweigen, ob Musik spielt oder nicht, «wenn das Dritte kommt, wird es still». Aenne Schwarz sucht diese Momente mit dem «Dritten», das sich schiebt zwischen Spielerin und Rolle, zwischen Spielerin und Text. Wenn der Text stark ist, die Rollen gut gebaut sind oder beides, sagt sie, dann könne es passieren, dass die Figuren schlauer werden als die Spielenden. Sie gebe sich hin, wisse gar nicht genau, «aber ich vertraue: Das wird schon, das ist in Ordnung.»