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Optimistisch

Der kanadische Bariton Iain MacNeil

Was hatten Sie für eine Naturstimme? Woran mussten Sie arbeiten?
Auf der Highschool hatte ich eine leichte Baritonstimme, im Chor sang ich aber Bass – Tenor war undenkbar. Als ich an die Universität kam, klang es noch eher nach einer Jungenstimme. Und als ich Bryn Terfel, Gerald Finley und Simon Keenlyside zuhörte und die Stimmen dieser Idole analysierte, bekam meine Stimme einen tieferen Charakter.

Immerhin haben Sie auch die Titelrolle in «Le nozze di Figaro» und Rossinis Bartolo gesungen.
Das war während meiner Opernstudio-Zeit in Kanada. Mozart oder Rossini waren damals gut möglich. Hier in Deutschland gibt es das Fachsystem. Kein Castingdirektor würde mich hier für Bufforollen im Bassbaritonfach besetzen. Bartolo war damals eine lustige Erfahrung. Ich steckte in einem Fatsuit und hatte eine super Zeit. Um das Parlando in der Arie hinzubekommen, was ja wie eine Maschinenpistole klingen soll, brauchte es allerdings etwas.

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Wohin wird sich wohl Ihre Stimme entwickeln? Geht es ins dramatischere Fach?
Definitiv. Grundsätzlich bin ich ein hoher Bariton, der auch gut über ein größeres Orchester kommt. Ich bin 32. Wenn ich jetzt vorsichtig mit den dramatischeren Partien beginne, und das in einem Haus von der Größe Frankfurts, dann dürfte mir das nicht schaden. Es hängt nicht allein von der Stimme ab, auch von den gesamten körperlichen Voraussetzungen. Auch die deuten aufs schwerere Fach hin.

Ist es als Kanadier einfacher, das italienische, deutsche und vielleicht russische Fach gleichzeitig zu bedienen?
Bestimmt. Castingdirektoren sehen mich wohl nicht gleich in einem bestimmten nationalen Fach. Abgesehen davon ist mein Name auch noch schottisch. Es ist wunderbar, wenn man als Sänger die Karrierestufe erreicht hat, auf der man sich wirklich das Repertoire aussuchen kann – auch wenn es andere nicht in einem sehen. Dorthin will ich. Ich weiß allerdings gar nicht, wo ich genau verortet werde. Ganz simpel betrachtet, könnte man ja sagen: Der singt laut und hoch – also Wagner. Oder eben Verdi. Ich warte mal die Entwicklung ab und bin ganz optimistisch. Ich bin noch jung und habe Zeit.

Das gesamte Interview von Markus Thiel lesen Sie in Opernwelt 4/23