Mehr Konzentration, bitte!
Der Dirigent Jakub Hrůša
Seit 2016 ist Jakub Hrůša Chef in Bamberg. Die Position dort war und ist ein Durchlauferhitzer für ihn. Groß grüßt sein Konterfei vom Plakat an der Konzerthalle, ein bisschen Kult darf sein – man ist in der musikverrückten Frankenstadt stolz auf den Star. Bescheiden sei er, heißt es gern in Artikeln, ohne Allüren. Die öffentliche Meinung hinkt hinterher, wenn es darum geht, wie sich Dirigenten der jüngeren Generation definieren. «Ich begann meine Karriere nicht mit dem Wunsch, einen Star-Status zu erreichen, sondern auf bestmögliche, schönste Weise Vertrauen und Respekt der Musikerinnen und Musiker sowie des Publikums zu erwerben», sagt Hrůša. Für ihn erfülle sich gerade der Traum, dass es Wiedereinladungen von den besten Orchestern gebe. «Das ist für mich das schönste Kompliment: Wenn Orchestermitglieder mir sagen, dass das Musikmachen Sinn und menschlich gesehen Spaß gemacht hat, dass auch die Proben eine Richtung hatten. Ich als Dirigent brauche nicht viel mehr.»
Könnte nach Kalkül klingen, ist aber wohl ernst gemeint. Hrůša, der unter anderem bei Jiři Bělohlávek studierte und bei der Prague Philharmonia ins Geschäft einstieg, ist manchmal kaum zu fassen. Da ist einmal der jugendliche Sympathieträger, der in Bamberg von fast allen im Orchester geduzt wird (was ihn anfangs wunderte). Und da ist der Chef, der seinen Willen sehr bestimmend und selbstbewusst durchsetzen kann. Einmal, als er während der Generalprobe (!) zu Bruckners Neunter seine Symphoniker unterbricht, sinkt die Temperatur im Joseph-Keilberth-Saal merklich. Man solle sich doch bitte überlegen, was diese Musik bedeute. Und sich daran erinnern, dass es tags zuvor viel besser lief. Außerdem werde einfach nur so dahingespielt. Etwas mehr Konzentration und Aufeinanderhören bitte, fordert Hrůša ernst. Und man hört sogleich: Das Orchester hat verstanden. Laut wird er ohnehin so gut wie nie. «Ich werde eher ironisch bei Konfrontationen, was gefährlich sein kann.» Außerdem helfe ihm Abstand. «Wenn ich ein musikalisches Problem nicht sofort lösen kann, dann lasse ich erst einmal weiterspielen. Unmittelbar zu reagieren, ist auch im wirklichen Leben nicht das Beste.»
Das gesamte Porträt von Markus Thiel lesen Sie in der April-Ausgabe von Opernwelt