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Rezensionen 4/21

Eva Zaïcik: Royal Handel

Für den berühmten italienischen Kastraten Senesino verfasste Händel binnen acht Jahren nicht nur die Titelpartien in «Giulio Cesare», «Ottone, Re di Germania», «Admeto», «Alessandro», «Tolomeo», «Scipione» und «Riccardo Primo», sondern dazu noch flamboyante Liebhaberrollen in «Rodelinda», «Tamerlano» und «Flavio». Eva Zaïcik hat eine Auswahl davon für ihr neues Album gesammelt. Und schlüpft, keck genug angesichts des ruhmreichen Vorbilds, in einige jener Hauptrollen, die Senesino zwischen 1720 und 1728 auf der Bühne verkörperte. Schon ihre Lesart von Siroes «Szene» zeigt, dass sie dem italienischen Kastraten alle Ehre zu erweisen imstande ist. Mit ihrer dunklen, fülligen Stimme, einem backofenwarmem tiefen Register und exzellentem Gespür für melodische Linienverläufe gestaltet sie die Arie zu einem großen imaginären Porträt des traurigen Königs, darin vom hervorragenden Instrumentalensemble Le Consort mit schwermütigen Seufzern wunderbar begleitet.Es sind vor allem Händels Könige und deren Geliebte, deren tränenreiche Lamenti wir hier vernehmen dürfen: Siroe, Radamisto, Matilda, Guido, Tolomeo, Elmira. Die französische Mezzosopranistin leiht ihnen allen gemeinsam mit Le Consort jene erhabene Würde, die schon Händels Kompositionen aufweisen. Geradezu ergreifend gelingt ihr das etwa in Matildas Arie «Ah! Tu non sai» aus «Ottone, Re di Germania», einem tief empfundenen, beinahe religiösen Klagegesang; berührend intensiv, fast bis zum Stillstand des Herzens ausgekostet in Tolomeos trist-ariosem «Stille amare»; zum Heulen schön in der Ombra-Szene des Titelhelden aus «Radamisto».

Die gesamte Rezension von Jürgen Otten lesen Sie in Opernweltt 4/2021

Eva Zaïcik: Royal Handel
Eva Zaïcik (Mezzosopran), Le Consort
Alpha Classics 662 (CD); AD: 2020