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Rezensionen 4/21

Foto: Christian Kleiner

Arthur Schnitzlers «Fräulein Else» auf Instagram

Die Theater haben bei aller pandemiebedingten Begeisterung für virtuelle Bühnenwelten den szenischen Reiz von Instagram bislang ignoriert; bespielt wurden im Corona-Winter hauptsächlich Zoom, Facebook und die Gaming-Plattform Twitch. Daniel Cremer aber hat für das Nationaltheater Mannheim eine Instagram-Variante von Arthur Schnitzlers «Fräulein Else» erdacht, mit Vassilissa Reznikoff, die einen eigens eingerichteten Insta-Kanal (instagram.com/fraeulein_else_/) schon Wochen vor der Premiere mit den für das Medium typischen Statements, Fotos und Videoschnipseln bespielt. Ihre Else performt da also ein bonbonbuntes Lipsync-Video zu Lilly Allens «Alle doof»-Hit «Fuck you», sie posiert mit einem Slogan-Shirt «I hate Hate», sie stellt körperliche Unzulänglichkeiten aus, sie schält sich aus der Bettdecke, sie verhaspelt die Videoaufnahme, «Upsi!». Sie ist, das kann man nicht anders sagen, absolut reizend, als Mischung aus Manic Pixie Dream Girl, Schussel und reflektierter Mediennutzerin.

Auch die eigentliche Aufführung beginnt vollkommen mediumsimmanent: Reznikoff lümmelt in einem Hotelzimmer, begrüßt einzelne Zuschauer*innen mit Namen, probiert lustige Insta-Filter aus, zeigt nicht ohne Stolz, in was für einer coolen Herberge sie untergebracht ist. Und unmerklich kippt das Stück in den Schnitzler-Text, der in den folgenden 90 Minuten die Handlung vergleichsweise ungebrochen vorantreibt: Else erfährt also im Urlaub von den Geldproblemen ihrer Eltern und wird aufgefordert, den Kunsthändler Dorsday um einen Kredit zu bitten, aber Dorsday verlangt als Gegenleistung, dass sich die junge Frau vor ihm entblößt. Was eine nachhaltige Verstörung nach sich zieht. «Sie wollen mich nackt sehen», spricht sie in die Handykamera. «Das wollen viele. Ich bin schön, wenn ich nackt bin.» Womit die Figur mit drei Sätzen charakterisiert wäre.

Die gesamte Rezension von Falk Schreiber lesen Sie in Theater heute 4/2021