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Rezensionen April 2020

Foto: Helen Maybanks

Kate Prince: «Message in a Bottle» in London»

Der Abend beginnt mit Schattenspielen. Hinter einem transparenten Prospekt erscheinen Silhouetten, ein Paar, die Köpfe zärtlich aneinandergelegt. Drei kommen hinzu, die Familie ist vollzählig. Vorhang auf: Stirnküsse, Umarmungen, verspieltes Geraufe. Dass auch in der erweiterten Nachbarschaft nichts die wüstensonnige Laune trüben kann, unterstreicht ein lustvolles Tutti. Eine Schmonzette mit Hintergedanken: Der Song dazu, das 1999 herausgebrachte «Desert Rose», spiegelt einen westlichen Blick nach Nordafrika und in den Mittleren Osten, der geprägt ist von Unbefangenheit und liebevoller Verklärung. Nach dem Attentat auf das World Trade Center war eine solche Haltung kaum mehr möglich. Prince zupft die Nostalgie-Saiten ihres Publikums, kitzelt JugendWehmut wach (ach, die alten Charts!) und Sehnsucht nach einer politisch entspannteren Epoche. Dann dreht sie das Idyll noch weiter auf. Zu «Every Little Thing She Does Is Magic» verliebt sich einer der Söhne (Lukas McFarlane). Die Angebetete ziert sich nur der Form halber. Schon zeigt sie sich einverstanden, lässt sich schüchtern den Eltern vorstellen – langhalsig senkt Nafisah Baba den Kopf – und wird sogleich herzlich aufgenommen. Friede, Freude: Der Crash ist unvermeidlich. Ins romantisch illuminierte Hochzeitsfest donnert also, mit Kanonengetöse und Gefechtsgeflacker, der Krieg: kollektives Zurückweichen in Etappen.

Die gesamte Rezension von Wiebke Roloff Halsey
finden Sie in tanz 4/20