Inhalt

Rezensionen März 2022

Rameau: «Les Boréades» in Oldenburg

Es ist ein zauberhafter Abend, den Christoph von Bernuth da inszeniert hat und den – was für Rameau unabdingbar ist – Antoine Jully mit einer wunderbar biegsamen, vor Esprit nur so sprühenden Choreografie beseelt (mit Tänzerinnen und Tänzern der BallettCompagnie Oldenburg, deren Können ebenso betört wie ihre erotisch-komische Ausstrahlung). Ein Abend, der den Triumph der Liebe sardonisch lächelnd auskostet. Doch nicht jener sittlich-bürgerlichen Liebe, wie sie ein Hegel favorisierte, wird hier der Lorbeerkranz geflochten. Gefeiert wird eine von Zwängen befreite Liebe, der es en passant auch noch gelingt, eine Tyrannei aus den Sandalen zu kippen, die sich von Anfang an durch hohle Drohgebärden bemerkbar macht, durch fahlen Dampf und Camouflage. Allein die beiden Boreas-Söhne: Meine Güte, was sind das für Witzfiguren! Borilée (Kihun Yoon) poltert wie ein wilder Waldschrat über Oliver Helfs spärlich (anfangs mit Stühlen) ausgestattete Bühne, sein Bruder Calisis (Sébastian Monti) mimt den parfümiert-verwöhnten Dandy, der sich auf seine Sanges- und Schauspielkünste so viel einbildet, dass er gar nicht sieht, wie sehr Alphise ihn verachtet. Solche Männer braucht weder Baktrien noch sonst irgendein Land, und schon gar nicht braucht es den Nebelkerzenzünder Boreas (Joāo Fernandes), der zwar, unter virtuoser Mithilfe des Videokünstlers Sven Stratmann, fürchterliche Winde zu entfachen imstande ist, nach seiner Enttarnung aber auch nichts anderes ist als ein alter Narr, dem göttlichen Gaben nur auf Zeit und Leihbasis zugeteilt waren.

Die gesamte Rezension von Jürgen Otten lesen Sie in Opernwelt 3/22