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Rezensionen März 2020

Shemes: «Atara» bei der Tanzplattform 2020

«Für euch, für dich, die alleine auf der Suche ist. Deren Eltern sich vor der Dunkelheit fürchten. Die zu viel fühlt oder nichts. Oder Schuld. Die normal sein möchte, die alles hat, aber nie genug», wird zu Beginn auf Englisch deklamiert. Am Ende ist aufgezählt, was nicht-religiöse Frauen mutmaßlich über jüdisch-orthodoxe Frauen sagen – nach deren eigener Meinung: Sie hätten «weiße Zähne», «keine E-Mail-Adresse», seien «gut im Bett», «immer glücklich», «gefährlich». 

«Atara», das ist auch Reut Shemeshs Blick auf den Blick der anderen auf sich selbst. Das Stück soll Beziehungen in Choreografie übersetzen, etwa die zwischen den gläubigen Frauen und der nicht-religiösen Umwelt, sagt die Künstlerin. Das emsige Trippeln. Die offenen Münder in ausdruckslosen Gesichtern, die sie wie Sexpuppen aussehen lassen. Wie ihre Fingerspitzen die Schläfenhaare zurückstreichen, später die Perücke abnehmen, den Rock herunterziehen. Dann Haar und Rock der Nachbarin übernehmen. Wie austauschbar sind sie, die Frauen, die Äußerlichkeiten? Wie sehr sind sie überhaupt Frau, ohne Mann? Was macht der als Frau gekleidete Mann im Trio, Florian Patschovsky? Ist Liebe die Lösung?

Den gesamten Beitrag zu «Atara»
von Melanie Suchy lesen Sie in tanz 3/20