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Rezensionen März 2020

Schmalz: «jedermann (stirbt) in Frankfurt

Jedermann (Wolfram Koch) ist aasig, grausam, narzisstisch, arrogant und verzweifelt, wie er da in seinem selbstgeschaffenen Käfig her umtigert, gewaltsam die Strippen seiner Macht zusammen- und sich zugleich die Welt vom Leib haltend, unter ungeheurer Körperspannung. Wenn er der für ihn undurchsichtigen, rätselhaften buhlschaft tod lauscht, kauert er fiebrig, bange, nervös bis in die Fingerspitzen. Seine Frau, illusionslos und klar gespielt von Manja Kuhl, ist mehr ferner Dekorationsgegenstand als Partnerin: Mit violett aufgetürmtem Haar und bodenlangem rosa Fummel behält sie ihren Mann zwar stets im Blick, bleibt aber meterweit von ihm entfernt. Nur ein Moment der Nähe ist ihnen vergönnt, sonst sind sie ein pragmatisch eingespieltes Team, in dem jede*r um ihre und seine Rolle weiß, lieblos, kalt und leer. 

Inszenierung wie Text entbergen die tragische Komik dieses Jedermann, der nicht nur alle anderen, sondern auch sich selbst zutiefst verachtet. Wie so oft ist auch hier Kochs Bühnenfigur eine gewisse Hanswurstigkeit zu eigen, eine scharwenzelnde Unsicherheit, ein wendiges, windiges Tänzchen am Abgrund.

Umso besser sitzen die Momente der Grausamkeit, die aus der tragisch-komischen Gestalt einen ausgewachsenen Unsympathen machen: wenn er einen seiner Gläubiger mit einem zerplatzten Wasserball zu ersticken droht. Oder den abstinenten «armen nachbar gott» per Gartenschlauch zum Trinken zwingt, kräftig unterstützt von seinem teuflischen Assistenten – ein Waterboarding der besonders ekelhaften Art. 

Die gesamte Rezension von Esther Boldt finden Sie in Theater heute 3/20