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Rezensionen März 2020

Marlis Petersen als Salome, Foto: Werner Kmetitsch

Strauss: Salome in Wien

Eine Urgewalt ist die Salome von Marlis Petersen. Zum schwärmerischen Scheusal wird sie erst, nachdem sie begriffen hat, dass Herodes sich ihr ausgeliefert hat mit seiner unermesslich-sündigen Gier nach ihrem Fleisch. Anfangs erscheint diese Salome noch als ein Kindweib, das sich in seinem silbernen, rüschenaufgeworfenen Kleid gar nicht wohlfühlt in den von schwerbewaffneten Soldaten bewachten Mauern und das leicht verzagt in die Runde schaut.

Später wird sie die obsessive, von Rache beseelte Elektra, die, parallel zum Drängen der Musik, immer tiefer im Blut versinkt, nur noch von dem einen Gedanken geleitet, Jochanaan auf den kalten, harten Mund zu küssen. Kaum eine, Asmik Grigorian ausgenommen, kann das so verrückt-verzückt, so existenzialistisch spielen wie Marlis Petersen. Kann sich so «besudeln» mit Salomes Irrsinn, so blutdürstend ihre Seele entfesseln. Dass die Sängerin diese Partie, mit der sie im vergangenen Jahr an der Bayerischen Staatsoper debütierte, schon beim zweiten Mal derart meisterlich belebt, wundert einen da schon kaum mehr. Es ist eben alles eine Frage der Intensität.

Die gesamte Rezension von Jürgen Otten lesen Sie in Opernwelt 03/20