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Die Femme fatale als Tänzerin

Eine Ausstellung in Hamburg

Die Femme fatale taucht als Motiv immer wieder in Literatur und Philosophie auf, von der antiken Circe über die biblische Judith bis zu der von Scarlett Johansson verkörperten Außerirdischen im Science-Fiction-Film «Under the Skin» (2013). In der Bildenden Kunst konnte man sich vor allem Ende des 19. Jahrhunderts kaum mehr retten vor Frauen, die die (Männer-)Welt mit dämonischer Schönheit ins Verderben lockten und dabei gleichzeitig Opfer und Täterin waren – entsprechend legt die Hamburger Ausstellung ihren Schwerpunkt auf Symbolismus, Präraffaeliten und Jugendstil. Und zeigt dabei ununterbrochen tanzende Frauen sowie Frauen in performativen und künstlerischen Kontexten. Die Femme fatale: eine Tänzerin.

Das beschränkt sich nicht nur auf offensichtliche Porträts wie Piglheins Schwerttänzerin, Edvard Munchs in träumerischen Tanz versunkene «Madonna» (1893 – 95) oder Jeanne Mammens selbstbewusste, genderfluide Szene in «Sie repräsentiert!» (1928). Der performative Charakter findet sich auch in Tanzbewegungen, die im Kontakt von Frau und Schlange entstehen: in Franz von Lenbachs «Schlangenkönigin» (1894) oder in der liebevollen Zuneigung, die John Colliers «Lilith» (1889) der Schlange entgegenbringt (auch wenn der Tanz hier verhindert wird, indem das Tier den nackten Frauenkörper umschlingt und so ein Bondage-Setting entsteht).

«Femme fatale. Blick – Macht – Gender», Hamburger Kunsthalle bis 10. April; www.hamburger-kunsthalle.de

Den gesamten Beitrag von Falk Schreiber lesen Sie in tanz 2/23