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Not macht gefällig

Über «Themis, die Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt»

Im zweiten Jahr, also unter Corona, hatten Sie sogar noch mehr Beratungen als zuvor. Wie erklären Sie sich das?
Zum einen denken wir, dass während des ersten Lockdowns viele Betroffene erst dazu gekommen sind, über das, was in ihnen an  Unwohlsein gearbeitet hat, genauer nachzudenken. Und dann eben bei uns angerufen haben. Als dann der Betrieb langsam wieder aufgenommen wurde, ist bedauerlicherweise sexuelle Nötigung gerade gegenüber freien Mitarbeiter*innen öfter vorgekommen: Wenn du den Job haben willst, musst du dich auch gefällig erweisen. Erpressungen aus Notlagen heraus sind leider nicht zu unterschätzen.

Die finanziellen Engpässe von freien Schauspieler*innen oder anderen werden ausgenutzt?
Na klar. Wenn man überhaupt nicht mehr weiter weiß, ist man zu vielem bereit.

War das Theater oder Film?
Beides. Im ersten Jahr hatten wir mehr Fälle an Theatern als bei Filmproduktionen, was wir uns so erklären, dass der Bühnenverein Themis von Anfang an sehr stark propagiert hat. Mittlerweile holt der Fernsehbereich deutlich auf, weil Themis dort auch bekannter wird. Je bekannter wir sind, desto mehr Fälle kommen auf uns zu. Zwar sollte es in fast jedem Unternehmen eine Stelle geben, an die man sich wenden kann – die Gleichstellungsbeauftragte, der Betriebsrat –, aber oft wollen die Betroffenen nicht zu jemand aus der eigenen Firma, weil sie Angst haben, dass es sich dann dort herumspricht. Andererseits wenden sich auch oft Gleichstellungsbeauftragte an Themis und fragen zu einem Fall, wie wir damit umgehen würden. Da gibt es eine ganz gute kollegiale Zusammenarbeit. Wir wollen ja insgesamt einen Beitrag zu einem Kulturwandel hin zu einem faireren, respektvolleren Verhalten leisten. Das ist die Aufgabe!

Das gesamte Gespräch mit Themis-Vorstand Eva Hubert lesen Sie in der Februarausgabe von Theater heute