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Schaffen, was weh tut

Ein Porträt der Schauspielerin Sylvana Krappatsch

Als die Mauer fiel, hatte Krappatsch, damals 24, gerade ihr erstes Engagement am Theater Neustrelitz angetreten. Sie wollte dort weg, aber eigentlich nicht unbedingt in den Westen, landete dann aber 1991 am Theater Bremen: Ihr Debüt im Westen gab sie in der Rolle des Mädchens in «Roberto Zucco». Regie führte Gerhard Willert. «Das war die Rolle für mich», sagt sie, «und die Produktion ein Glücksfall. Eine künstlerische Erweckung, die ich immer gesucht, aber im Osten noch nicht gefunden hatte. Willert war einer, der verstanden hat, wonach ich suchte. Dieses künstlerische Erwachen machte mir den Übergang vom Osten in den Westen total leicht.»

Wonach sie denn suchte und sucht? «Ich rede nicht so wahnsinnig oft über das, was und wie ich es mache. Ist auch schwer zu beschreiben.» Vielleicht so: «Etwas zu schaffen, was wirklich weh tut. Etwas hinzustellen, was nicht sofort erklärbar ist. Was mich oft alles kostet. Ich komme erst einmal aus der größten Verunsicherung, lasse die auch zu, gucke, okay, wie kann ich das lösen, wie kann ich es neu machen, neu denken, damit es eine Relevanz bekommt.» Wahrhaftigkeit sei ihr dabei das Allerwichtigste. «Es ist immer harte Arbeit, bis ich endlich das Gefühl habe: So, jetzt ist es echt, jetzt habe ich mich verwandelt. Ich muss mir die Sachen, so verrückt sie erscheinen mögen, selbst glauben, sonst werde ich wahnsinnig.»

Diese Haltung erwartet sie auch von anderen Künstler*innen. Ein Negativbeispiel parat? Ja, der Film «Das Leben der Anderen» zum Beispiel. Das sei schon lange her, aber was die darin dargestellte Ostrealität anbelange, könne sie nur sagen: «Wie klischeehaft, wie kitschig! Das stimmt alles so nicht. Das ist nicht meine Sprache, mein Geruch. Ihr tut hier alle nur so als ob, habe ich damals gedacht.» Bei Charly Hübner in der Rolle eines Stasi-Oberfeldwebels macht sie freilich eine Ausnahme: «Dem hab ich’s geglaubt.»

Das gesamte Porträt der Schauspielerin Sylvana Krappatsch von Verena Großkreutz lesen Sie in der Februarausgabe von Theater heute