Rezensionen Februar 2021
Vanitas: Beethoven, Schubert, Riehm
Ein Klang ist das, der untypisch ist in der Baritonszene und der sich übers Ohr bald schon ins Hirn schleicht. Mit Begriffen wie «tenoral» oder «hell» kommt man da nicht weiter. Es ist künstlerisches Programm, dass Nigl nicht das Virile, Kernige sucht (und sich darin sonnt wie andere). Geschätzte 90 Prozent des Albums bewegen sich im mezza-voce-Raum. Mit fein dosierter Kopfstimmen-Raffinesse, einer Legato-Kunst nahe der Perfektion und einem behutsamen, fast zärtlichen Nachzeichnen der Phrasen. Nigl glückt eine Vermählung von Wort und Ton, die nicht nur aus dem Geiste der Deklamation entsteht. Dass ein Wiener am Werk ist, hört man auch. Das passt wunderbar idiomatisch gerade zu Schubert. Vielleicht schwingt auch deshalb anderes mit in diesen Deutungen. Eine beunruhigende Süße, eine subtile Gefährlichkeit: Wenn es den Erlkönig gibt, dann klingt er genau so.
Vanitas – Georg Nigl (Bariton), Olga Pashchenko (Fortepiano, Klavier) Alpha 646/Vertrieb: Note 1 (CD); AD: 2020