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Pandemie und Pleite

Alexander Neef, Chef der Pariser Oper, über die aktuelle Lage

Wie ist die Finanzlage an der Pariser Oper?
Wie Sie wissen, hat der längste Streik in der Geschichte der Nationaloper den Spielbetrieb zwischen dem 5. Dezember 2019 und dem 25. Januar 2020 lahmgelegt. Die seitdem verordneten Sanitätsmaßnahmen, von der Reduzierung der Zahl der Sitzplätze zwecks Distanzierung zwischen Zuschauern bis hin zur monatelangen Schließung, haben unsere Finanzen stark strapaziert. Wir mussten 2020 je etwa 180 Ballett- und Opernvorführungen absagen sowie knapp 100 Konzerte, Jugend- und andere Programme: insgesamt 455 Veranstaltungen. Unter dem Strich belaufen sich die Verluste auf fast 50 Millionen Euro. 2021 rechnen wir mit einem weiteren Loch von mindestens 20 Millionen Euro, 2022 noch immer mit Einnahmeausfällen. Die Regierung hat uns für diese drei Jahre einen Notzuschuss von 61 Millionen Euro gewährt. Aber rechnen Sie selbst!

Die staatliche Subvention sinkt seit den 1990er-Jahren kontinuierlich ...
Das ist unser Kernproblem. Allein in den letzten zehn Jahren haben wir 16 Millionen Euro verloren. Die Inflation mitgerechnet, ist das ein Viertel unserer Subvention. In absoluten Zahlen sind knapp 94 Millionen Euro Unterstützung gewiss eine stolze Summe. Aber mit 30 Prozent der staatlichen Aufwendungen für den Sektor ziehen wir 50 Prozent der Zuschauer landesweit an – letzte Spielzeit waren es knapp 900 000. Heute bestreiten wir nur noch 41 Prozent unseres Budgets durch Subventionen: Die Eigeneinnahmen konnten wir in den letzten Jahren spektakulär steigern. Doch die Subvention deckt unsere Fixkosten längst nicht mehr ab. Können wir nicht mehr spielen, rutschen wir rasch und tief in die roten Zahlen. Niemand hatte diese existenzbedrohende Gefahr bedacht. Wir haben zu Normalzeiten bewiesen, dass wir die Maschine am Laufen halten können. Aber die Pandemie hat uns die Beine gebrochen. Wir müssen uns über die Schwächen des Systems unterhalten. Es ist an der Zeit, unser ökonomisches Modell zu überdenken. Damit alles so bleibt, wie es ist – unsere Werte, unser Angebot, unser Niveau –, muss sich alles ändern.

Das gesamte Gespräch mit Alexander Neef von Marc Zitzmann lesen Sie in der Februarausgabe von Opernwelt