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Rezensionen Februar

Foto: N. Klinger

Mozart: Idomeneo in Kassel

Lorenzo Fioronis (vom Premierenpublikum gnadenlos ausgebuhtes) Menetekel einer sich selbst zerstörenden Zivilisation ist weder monströs noch zynisch, es lenkt vielmehr den Blick auf den zerreißenden Konflikt der Seelen und dessen latente Tiefenschicht. Giambattista Varescos Libretto, vor allem aber Mozarts revolutionäre, die Konventionen der Seria hinwegspülende Musik zeigt die Menschen als Opfer von Krieg und Gewalt, als Instrumente von Macht und Willkür.

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Nicht zuletzt lebt die erschütternde Faszination des Abends von der Genauigkeit, mit der Fioroni auf die Untertöne in Mozarts Musik hört und dem Respekt, den er ihr zollt. Was man hört, sieht man auch. Von geringfügigen Kürzungen abgesehen folgt er der Partitur bis zur Opferhandlung, nimmt mit den beiden meist gestrichenen Arien endlich einmal auch Arbace ernst und verzichtet lediglich auf die schon von Mozart selbst noch vor der Uraufführung gestrichenen letzten Soloszenen von Idamante und Idomeneo. In Jörg Halubek hat er einen Mitstreiter am Dirigentenpult, der auf gestische Expressivität Wert legt und den Klang im Sinn der historisch informierten Aufführungspraxis mit düsterem Feuer schärft. Als Darstellerin wie Sängerin überragend Maren Engelhardt in der Kastratenpartie des hier als Neurotiker gezeigten Idamante sowie Younggi Moses Do als Arbace, der schon Mozarts kommende Tenorpartien ahnen ließ. Selbst der stimmliche Ausfall des erkrankten, nur spielenden Lothar Odinius in der Titelpartie wirkte sich nicht nachteilig aus, denn der eingesprungene Charles Workman schaffte es, seinen Gesang ganz der Szene anzupassen. Ein düsterer, lange nachhallender Theaterabend – Kassel ist eine Reise wert!

Die ganze Rezension von Uwe Schweikert lesen Sie in Opernwelt 2/20