«Hadestown»ist die moderne Version des Mythos von Orpheus und Eurydike. Orpheus versucht auch hier, seine Frau aus der Unterwelt zu retten. Aber die Unterwelt ist keine Welt der Toten, sondern die ummauerte Industriestadt Hades. Und die wirkt wie ein albtraumhaftes Amerika. Die Auführung im Walter Kerr Theater erhielt für die letzten Tony Awards die meisten Nominierungen, 14 – und hat schließlich acht Tonys gewonnen. Music, Lyrics & Book sind von Anais Mitchell, einer amerikanischen Singer-Songwriterin.
Musical am New Yorker Broadway
«Hadestown» und andere unterhaltsame Stücke
Eva Noblezada spielt, singt und tanzt die Eurydike mit einer ganz besonderen Aura. Sie hat eine überraschend unaufgeregte Art, wirkt beim Spielen und Singen total entspannt und verhandelt doch Existenzielles. Rotz und Wasser kann man heulen, wenn sie «All I’ve Ever Known» – im Duett mit Reeve Carney – oder «Flowers» völlig ohne angeschaffte Dramatik, fast beiläufig singt. Durch das Publikum ging ein Schreckensatmer, als sich Orpheus auf dem Gang aus dem Hades dann doch kurz zu Eurydike umdrehte. Neunhundertfünfundsiebzig erwachsene Menschen halten gemeinsam die Luft an, weil sie wissen, dass es das für die beiden jetzt war, dass sie sich nie wiedersehen werden – wow!