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Medien-Tipps #3

Bach: Violinsonaten: «Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen»

CD: Sonaten von Bach für Violine und Cembalo

Öfter schon waren Isabelle Faust und Kristian Bezuidenhout gemeinsam im Konzert zu erleben, nun haben die beiden endlich ihre erste gemeinsame Platte rausgebracht. Die Aufnahme ist fast zu perfekt, zu vornehm, aber genau darin besteht auch ihre Stärke.

Faust bezaubert mit ihrem zwingenden Spiel, dem man sich nie entziehen kann, flexibel, warm, schlank, obwohl man sehr wohl hört, dass hier keine dezidierte Barockgeigerin musiziert. Bezuidenhout, den man v.a. am Hammerklavier kennt, spielt präsenter, kraftvoller, farbenreicher, als man es in diesen Werken oft hört. Sein Markenzeichen: maximales Risiko und totale Beherrschung in betörender Gleichzeitigkeit.

Jeder einzelne Satz ist nachvollziehbar durchphrasiert; technisch brillieren beide auf dem denkbar höchsten Niveau, ohne jemals glatt zu werden. Faust und Bezuidenhout geben den Werken ihren ganz persönlichen künstlerischen Ausdruck, ohne sich in den Vordergrund zu spielen, wobei sie dennoch wie kongeniale Partner wirken. Damit gelingt dem Duo eine überzeugende Balance.

Tristan Braun

Bach: Sonaten für Violine und Cembalo (BWV 1014-1019)
Isabelle Faust (Violine) & Kristian Bezuidenhout (Cembalo)
Harmonia Mundi (CD); AD: 2018
www.harmoniamundi.com/#!/albums/2307

Novelle: Dame mit Hündchen

Sie ist Ballerina am Zürcher Opernhaus, er Gärtner und für die Bepflanzung des See-Ufers zuständig. Welten trennen Anna und Gürkan – ideale Ausgangslage für eine stürmische Liebesgeschichte. Dana Grigorcea, 1979 in Bukarest geboren und mittlerweile in Zürich zu Hause, hat ihr Büchlein spiegelverkehrt zu Anton Tschechows Novelle «Die Dame mit dem Hündchen» angelegt. Ihre Anna – Tänzerin und zugleich affärenerprobte Arztgattin – kann den Fremden, der ihr in einem Café über den Weg läuft, nicht vergessen. Also spürt sie, die «Dame mit dem maghrebinischen Hündchen», den ebenfalls verheirateten Liebhaber in der Kleinstadt auf, in der er mit seiner Familie lebt. Fortan treffen sich beide regelmäßig am Zürichsee, doch handelt es sich um ein Arrangement auf Zeit – aufgeschobenes Unglück.

Tanz und schöngeistige Literatur finden nicht allzu oft zueinander. Umso besser, dass Dana Grigorcea nicht nur von der klassischen Tanzkunst etwas versteht, sondern auch das aktuelle Repertoire des Ballett Zürich von «Anna Karenina» bis Ratmanskys «Schwanensee» in ihre Erzählung einzuflechten weiß. Die kommt zwar nicht durchweg klischeefrei daher, was etwa die Russophilie der Szene oder die Folkloreseligkeit mancher Libretti betrifft. Aber dafür gelingt der Autorin die Charakterstudie einer Tänzerin, die mit ihren Gefühlen ebenso kämpft wie mit dem sich abzeichnenden Abschied von der Bühne. 

Dorion Weickmann

Dana Grigorcea: «Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen», Zürich 2018, www.doerlemann.ch