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Medien-Tipps #2

«Opera Shorts», «Agitata»

«Opera Shorts»: Eingefärbte Klangwellen

Das Royal Opera House in London ist aufgewacht: «Unsere geliebte Oper ist doch unbestritten ein Gesamtkunstwerk aus Musik, Texten, (Bühnen-)Bildern – und immer mehr Film. Das müssen wir für die Zukunft genau betrachten...» Und die klugen Hochkulturmenschen haben darob über mehrere Monate hin eine quirlige Arbeitsgemeinschaft mit Studenten der Illustrations- und Animationsfilm-Abteilung an der Kingston University gebildet. Die durften in Covent Garden ein- und ausgehen und sich mit fremdem Blick einen Eindruck verschaffen, was so ein Opernhaus überhaupt ist und wie dessen Produktionen eigentlich gemacht werden.

Herausgekommen sind acht Kurzfilme, die manchmal die Kunstform Oper, manchmal ein bestimmtes Stück zum Thema haben. Allen gemeinsam sind ein verspielter Zugang und eine muntere Begeisterung – aus ungewohnter Perspektive. 

Wissenschaftlich wird es auch, wenn der junge Künstler Doug Hindson seine «Opera Machine» baut. «Ich war an den Möglichkeiten interessiert, eine Operndarbietung visuell aufzuzeichnen», erklärt er. Gerade die Verbildlichung von Klangwellen habe ihn inspiriert. Und da er ein bisschen Erfahrung als Freizeit-Ingenieuer mitbrachte, bediente er sich beim Bau des Prototyps seiner Opernmaschine umstandslos auch seiner alten Legosteine.

Andreas Tobias

Die anderen «Opera Shorts» finden Sie hier: http://www.roh.org.uk/news/tags/opera-shorts

CD: «Agitata»

Auf ihrem Album «Agitata» singt die französische Altistin Delphine Galou mit emotionalem Nachdruck und einer bis ins kleinste Detail um Deutlichkeit bemühten Präzision. Darin folgt ihr die Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone, die ihre exzellente Qualität in zwei Werken von Giovanni Lorenzo Gregori und Antonio Caldara ebenso allein demonstrieren kann. Der Titel des Albums bezieht sich insbesondere auf das erste Stück, einer mit zupackender Virtuosität gesungenen und gespielten Arie aus Antonio Vivaldis Oratorium «Juditha triumphans». Doch längst nicht alle Stücke, die meisten von ihnen dem Staub der Archive entrissene Raritäten wie die Motetten von Giuseppe Torelli und Giovanni Battista Brevi, sind so «erregt», im Gegenteil: Zur klugen Dramaturgie des Albums gehört eine kluge Mischung der Affekte, die Sängerin und Instrumentalisten musikalisch sprechend zum Klingen bringen.

Thomas Seedorf

DELPHINE GALOU: AGITATA
Delphine Galou (Alt), Accademia Bizantina, Ottavio Dantone
Alpha 371 (CD); AD: 2017