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Rezensionen Januar 2022

Marco Goecke «Fly Paper Bird» in Wien

Aus Gustav Mahlers Fünfter Symphonie tönen, wohl bekannt, der 2. Satz «Stürmisch bewegt. Mit größter Vehemenz», gefolgt vom 4. Satz, dem Adagietto, unter der musikalischen Leitung von Patrick Lange. Goecke inszeniert, die Musik als Gegenwelt nutzend, nachtdunkle, wie computergeneriert anmutende, gleichwohl erhaben wirkende, exquisite Wesen (Bühne und Kostüme von Thomas Mika). Rasant und gestochen scharf schicken diese ihre Handkrallen aus den gespannten Körpern in die Lüfte und fahren sie wieder ein. Vogelkrallen? Unweigerlich fällt einem Mary Wigman ein, die in ihrem «Hexentanz» von 1926 im Sitzen die gekrallten Hände staccatoartig nutzte. Im Expressionismus sprachen die Arme, Schieles kantige Hände.

Auf der Bühne scharfe Körperwendungen, zueinander, ineinander, weg voneinander. Die Beine? Natürlich sind die auch da, aber die volle Konzentration geht auf die ausagierende obere Hälfte. Aufbäumende Mahler’sche Gefühlswellen, die nur ab und zu die Choreografie antasten und auf diese Art gleichsam wie aus einer anderen, vergangenen Welt anmuten, erreichen die Ohren der Zuschauenden. Deren Augen aber spüren die Eiseskälte dieser von undurchdringlichen feinstofflichen Panzern eingehüllten Geschöpfe auf der Bühne.

Den gesamten Beitrag von Andrea Amort lesen Sie in der Januarausgabe von tanz