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Rezensionen Januar 2022

Jon Fosse: «Starker Wind» im Deutschen Theater Berlin

Keine Frage: Diesem Mann aus der deutschsprachigen Erstaufführung des Stückes, das der norwegische Dramatiker nach langjähriger Theaterabstinenz geschrieben hat, geht es gerade nicht so gut. Er ist von einer langen Reise nach Hause zurückgekehrt und muss nun erfahren, dass dort nichts mehr so ist, wie es mal war. Denn seine Frau (Maren Eggert), hat sich nicht nur äußerlich verändert, sie hat sich auch neu verliebt: in einen viele Jahre jüngeren Schönling (Max Simonischek). Das ist zweifellos bitter und führt dazu, dass der Mann im Verlauf der Aufführung zunehmend die Nerven verliert. Sie ist «meine» Frau?

Das Gute an dieser Dreiecksgeschichte ist, dass Fosse darauf verzichtet hat, sie allzu konkret auszumalen. Statt seinen Protagonist:innen einen Namen und eine Backstory zu geben, redu ziert er die Erfahrung des unglücklichen Verliebtseins auf ihren Wesenskern und macht sie dadurch vielseitig interpretierbar. So erlebt an diesem Abend vermutlich jede:r etwas anderes und entwickelt unterschiedliche Gefühle zu der Hauptfigur, je nachdem, in welchem Licht man sie sieht.

Denn es macht einen Unterschied, ob man sich vorstellt, dass der Mann seine Frau verlassen hat und nun reumütig in den behüteten Schoß der Ehe zurückkehren will. Oder ob man davon ausgeht, dass er unverschuldet weg war und sie sich in seiner Abwesenheit einfach einen anderen gesucht hat. Und wie würde man das Ganze beurteilen, wenn man in ihm einen Stalker sieht, der das neue Paar einfach nicht in Ruhe lassen will? Oder wenn man glaubt, dass das Bühnengeschehen bloß einen Albtraum darstellt, von dem die Hauptfigur am Ende des Abends schweißgebadet aufwacht? Vieles ist möglich, und genau das macht auch die Stärke dieses Dramas aus.

Die gesamte Rezension von Anna Fastabend lesen Sie in der Januarausgabe von Theater heute