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Rezensionen

Foto: Ashley Taylor

Martin Schläpfer, Hans van Manen: «Mahler, live» in Wien

Vor mehr als vierzig Jahren hat Hans van Manen «Live» für Het Nationale Ballet choreografiert, als Gegenstück zu «Life» von Rudi van Dantzig und Toer van Schayk – und dennoch wirkt sein visionäres Werk, als wär’s ein Ballett von heute. Ja, es hat seit der Uraufführung noch an Aussagekraft hinzugewonnen. Während Colleen Davis seinerzeit etwas Unnahbares hatte, lässt Olga Esina beim Gang durch das Theater ihren Emotionen freien Lauf. Man spürt, wie sie das männliche Gegenüber herbeisehnt, und sieht, wie sie sich gleichzeitig von ihm bedrängt fühlt: ein ambivalentes Verhältnis, das vor dem Hintergrund der MeToo-Debatte noch konfl iktgeladener erscheint als in früheren Zeiten.

Auf der Suche nach Zweisamkeit stößt die Tänzerin nicht nur auf räumliche Grenzen, sondern im Opernfoyer auch auf Marcos Menha – und hier und fast noch beängstigender in einer vorproduzierten Erinnerungssequenz entwickelt Hans van Manen eine in jeder Hinsicht bewegte Beziehung, die nie etwas Vordergründiges hat. Es sind Blicke, die Gefühle andeuten, Gesten, die Verborgenes verraten, und eine Choreografie, die sich immer im Einklang weiß mit der Musik und dennoch darüber hinausweist.

Den gesamten Beitrag von Hartmut Regitz lesen Sie in tanz 1/21