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Forsythe, Shechter, Goecke – ein Traum

Ein Porträt des Wiener Tänzers Theophilus Veselý

Dass Theophilus, genannt Teddy, es tatsächlich ernst meint mit dem Tanzen, merken die Eltern, als er mit 15 Jahren nach Stuttgart an die John Cranko Schule wechselt. Veselý gehört dort zur letzten Abschlussklasse, die noch bei Petr Pestov Unterricht hat, dem hochverehrten Pädagogen aus der Moskauer Bolschoi-Schule: «Er war ein fantastischer Lehrer. Es war sehr streng, wenig Fehler wurden erlaubt. Aber es war immer herzlich. Ich glaube, jeder von uns hat einmal im Training geweint. Weil wir auch sehr selbstkritisch waren und einfach für uns selbst besser werden wollten, weil die Fortschritte nicht schnell genug kamen. Aber es gab nie einen persönlichen Angriff. Es war so: Wir arbeiten jetzt, und während der Arbeit gibt es nichts zu lachen. Aber danach war er der netteste Mensch! Es gibt eine Kombination von ihm zum Aufwärmen an der Stange, die mache ich bis heute.»

Die zukünftigen Solisten Constantine Allen und Alexander Mc Gowan sind in seiner Klasse, beide fast zwei Meter lang; Veselý hat eher Mikhail Baryshnikovs Größe, es ist ihm eigentlich klar, dass er trotz seiner exzellenten Technik nicht ins Stuttgarter Ballett kommen wird. «Es war trotzdem eine Enttäuschung. Aber ich glaube, dass ich mich dadurch, dass ich nicht in Stuttgart angenommen wurde, anders entwickeln konnte. Es ist schon richtig so, wie es gekommen ist.» Er startet 2012 bei Robert Conn in Augsburg durch. Noch bevor er die Schule ganz beendet hat, springt er dort in William Forsythes «Herman Schmerman» ein: «Eine Riesenehre – damals war mir nicht ganz klar, was das heißt: ein Stück von Forsythe tanzen zu dürfen. Und auch noch dieses Stück! Ich will überhaupt nicht die Choreografen schlechtreden, mit denen ich gearbeitet habe, aber das ist halt schon ein Masterpiece. Es hat lang gedauert, bis wieder etwas so Tolles gekommen ist. Hier in Stuttgart haben wir ‹Uprising› von Hofesh Shechter getanzt. Die Arbeit mit ihm war wieder so ein Wow-Moment, wo es wirklich um Gefühle geht und um Bewegungsqualitäten, über die ich vorher nie nachgedacht hatte. Und jetzt Marco Goecke – das war sowieso immer mein Traum!»

Das gesamte Porträt von Angela Reinhardt lesen Sie in tanz 1/21