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Der Türke spielt immer den Gärtner?

Ein Porträt des Schauspielers Taner Sahintürk

An der Ruhr-Universität Bochum, wo Taner Sahintürk nach der Schule Deutsch, Englisch und Philosophie auf Lehramt studierte, fragte ihn ein befreundeter Filmwissenschaftler, ob er nicht in einem seiner Kurzfilme mitspielen wolle. Anschließend riet er Taner, unbedingt auf eine Schauspielschule zu gehen – und tatsächlich setzte die Idee sich fest, auch wenn er die Schauspielschul-Dokus im Fernsehen damals unerträglich fand: «Dieses Sich-wichtig-Nehmen ... Man hatte das Gefühl, denen wird da beigebracht: Es geht nur um dich!» Als er wenig später mit zwei Freunden zu einem Vorsprechen nach Salzburg fuhr, deklarierte er den Ausflug vorsorglich «nur als Abenteuer». Trotz unangenehm elitärer Atmosphäre und Ablehnung leckte er Blut. Wollte er sich beweisen, dass er auch diese zutiefst weiße, bürgerliche Bastion knacken konnte?

Die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart eroberte er kurz darauf mit dem passenden Monolog des Underdogs Cassius aus Shakespeares «Julius Cäsar» und dem richtigen Gegenüber im Sturm: Die Schauspielschulleiter Volker Canaris und Michael Huthmann fanden gerade gut, dass ein Arbeiterkind vorsprach; sogar das übliche Singen konnte er sich schenken. Bei Huthmann, «diesem verrückten Dramaturgen», lernte er in den kommenden Jahren, dass alles, was er jetzt lernte, die Technik, das Sprechen, die Virtuosität, allein nichts taugte. «Schon gut, sich das anzueignen, aber noch besser, wenn man es peu à peu wieder ablegen kann.» Und noch etwas nahm er mit: «Sieh zu, dass du nicht nur den Gärtner spielst», hatten sie ihm zum Abschluss mit auf den Weg gegeben.

Hakan Savas Mican, der viel mit ihm gemeinsam hat – Jahrgang 1978, Arbeiter-Eltern von der Schwarzmeerküste, die Liebe zum Fußball – und ihn in seiner Fassbinder-Inszenierung «Angst essen Seele auf» (2014) als zarten, zärtlichen Ali besetzte, beschreibt die Arbeit mit ihm so: «Taner ist kein Spieler, der viel nachdenkt und spricht, er will lieber sofort proben. Er hat eine starke Intuition, mit der er sehr oft richtig liegt. Deshalb hat er auch gar nicht so große Lust, das zu besprechen und endlos zu wiederholen. Es gibt Schauspieler, die lange grübeln und analysieren und erst kurz vor der Premiere ihre Figur finden – und es gibt Schauspieler wie Taner, die schon sehr schnell eine eigene Vision haben. Da ist dann eher die Frage, wie man diese Energie bis zum Schluss aufrecht erhält.»

Das gesamte Porträt von Eva Behrendt lesen Sie in Theater heute 1/21