Rezensionen Dezember 2021
Foto: Jörg Landsberg
Ruggero Leoncavallo: «Pagliacci» in Bremen
Marie Smolka singt nicht nur herzzerreißend schön, ja, könnte diese Rolle an den größten Häusern der Welt ausfüllen, sondern spricht zu «ihren» Männer sogar nur mit Blicken: «Ihr wisst selbst, was für eine bescheuerte Nummer ihr hier abzieht, oder?» Grandios geschauspielert. Auch Claudio Otellis Tonio drückt einen regelrecht an die Wand – und bleibt dennoch immer fragil, menschlich und groß im erzählerischen Ausdruck. Seine Stimme bleibt dröhnungsfähig – und ist doch auch imstande, erst kleinlaut aus dem Hintergrund langsam auf uns zuzugehen, was die Regisseurin Ulrike Schwab im Zusammenwirken mit dem souveränen Canio (Luis Olivares Sandoval) auch räumlich bald nutzt. Wir lernen die Figuren mit ihren Motivationen kennen. Der Ort stimmt. Alles stimmt an diesem Abend.
Die zunächst leere Bühne (auch Kostüme: Rebekka Dornhege Reyes) wird komplex gefüllt. Bald gerät sie bei Tonios Prolog in Schieflage. Dann kommt der Chor in knalligen Commedia-dell’arte-assoziierten Kostümen aus den Bühnenlöchern. Ein Teil des Chores singt zudem vom Rang; gar nicht so einfach für den jungen und sympathischen Killian Farrell, das in Übereinkunft zu bringen. Doch Orchester und Chor klingen zutiefst italienisch, risikofreudig und kein bisschen beamtisch. Erstaunlich.
Die gesamte Rezension von Arno Lücker lesen Sie in Opernwelt 12/21