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Der ewige Outsider

Ein Gespräch mit dem Bariton Andrè Schuen

Sie sagten einmal: «Ich habe das Gefühl, dass ich nicht ganz in die Opernwelt gehöre.» Fühlen Sie sich als der Outsider, der aus den Dolomiten unversehens in die Szene geraten ist und Fremdling bleibt?
Manchmal. Ganz stark war das anfangs, es wurde aber immer besser. Das betrifft allerdings viele Bereiche in meinem Leben. Ich komme aus einem Dorf in den Bergen, wo Ladinisch gesprochen wird. Wir sind also eine Minderheit in Südtirol. Und die Südtiroler sind wiederum eine Minderheit in Italien. Deshalb war ich von Kindheit an darauf gepolt, mich schnellstmöglich anzupassen. Das hat viele positive Aspekte. Für mich hieß das aber auch, dass ich immer derjenige war, der von außen kam und sich integrieren musste. Das kann einen tendenziell etwas klein machen. Abgesehen davon: Ich werde nie in den Genuss kommen, eine Oper in meiner eigenen Sprache zu singen. Manchmal frage ich mich: Wie ist das, wenn man als Muttersprachler eine Strauss-Oper singen darf? Oder als Italiener Verdi? Wie fühlt sich das an? Und zum Sängerberuf allgemein: Ich habe viele Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, die sich ähnlich fühlen, mit der Szene fremdeln und keine typischen Opernsänger sind. Wobei – was heißt das überhaupt? Gibt es die eigentlich noch? Was bei mir noch eine Rolle spielt: Ich spüre nicht den Drang, unbedingt vor Publikum stehen zu müssen. Andere haben das.

Sie haben Hemmungen?
Sicher, die haben doch viele.

Aber irgendetwas muss man doch in sich haben, ein Gen oder etwas Ähnliches, das einen auf die Bühne treibt. Sonst hätten Sie das Singen als Hobby betreiben können.
Das stimmt. Aber es gibt auch die Möglichkeit, dass man diesen Beruf ergreift, weil man die Musik und das Schauspielern so liebt und das Publikum daran teilhaben lassen kann. Das ist eben eine Charaktersache. Der eine nimmt, weil er vor den Leuten auftreten darf, unheimlich viel Energie mit. Und der andere holt sie sich aus der Musik und aus der Tatsache, dass er sie aufführen darf.

Das gesamte Interview von Markus Thiel lesen Sie in opernwelt 12/20