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Medien-Tipps #2

The School of Life

Einer der pfiffigsten, fundiertesten und vor allem schön anzuschauenden Kanäle für «Life Hacks» – das sind Tipps und Tricks, um das Leben einfacher, angenehmer, schöner zu machen – ist die «School of Life».

Laut offizieller Selbstbeschreibung ist diese Lernanstalt «a global organisation dedicated to developing emotional intelligence». Wie Sie gemerkt haben, verfeinert diese Organisation auf Englisch die emotionale Intelligenz ihrer Schüler.

In mittlerweile 556 Videos mit einer Laufzeit von 2 bis 10 Minuten kann man sich zu Fragestellungen orientieren, die man sich auf den Lern- oder Lehrplänen der Schulen herbeiwünschte: Wie gelingt eine Beziehung?, Wie finde ich Ruhe und Frieden?, Was ist beim Kapitalismus schief (oder glatt) gelaufen? – also praktische Anwendungen von Psychologie, Philosophie und Kultur, verpackt in phantasievoll animierte, hochkünstlerische Kurzfilme, vorgetragen in einfühlsamem British-English.

Die Spezialität von «School of life» ist es, in ihren kunstvoll gestalteten Beiträgen keck-humanitär um die Ecke zu denken. So heißt die Folge über Verletzlichkeit nicht etwa «Werde unverwundbar und gewinne viele Freunde!», sondern «The Importance of Vulnerability» (Die Wichtigkeit von Verletzlichkeit).

Allein vom Zuschauen wird man auch bei der digitalen Schule des Lebens nicht emotional intelligenter. In ihren besten Momenten fühlt sich die «School of life» jedoch an wie eine schön gestaltete Betriebsanleitung des Lebens, in der man schon lange mal wieder nachschauen wollte, die man aber dummerweise verlegt hatte.

 Andreas Tobias

https://www.youtube.com/user/schooloflifechannel

↓ Tipp 2

CD: Charpentier «La decente d’Orphée aux enfers»

Marc-Antoine Charpentier (1643-1704) – der breiteren Hörerschaft eher als Komponist eines Te Deums und der aus diesem gefilterten Eurovisionsfanfare bekannt – nahm sich des Orpheus-Mythos lange vor Gluck an. Doch seine Tragédie lyrique «La Descente d'Orphée aux Enfers» aus den Jahren 1686-87 blieb vermutlich unvollendet. Geschrieben als Kammeroper für das zehn Sänger umfassende Ensemble von Charpentiers Mäzenin Marie de Lorraine, Herzogin von Guise, auch in deren Pariser Haus uraufgeführt, konzentriert sie sich in zwei Akten auf Euridices Tod sowie den Abstieg des Sängers in die Unterwelt und dauert nicht ganz eine Stunde.

Sébastien Daucé und sein Ensemble Correspondances nehmen sich des Werks mit Energie und ansteckender Freude an, die Instrumentalisten servieren die Musik locker flockig, als würden sie diese aus dem Moment neu erschaffen. Die Vokalisten, ebenfalls dem Emsemble Correspondances entstammend, überzeugen solistisch wie als homogenes Chorkollektiv. Der Sänger des Orpheus heißt Robert Getchell, ist ein haute-contre, was in der französischen Oper weniger als Countertenor denn als Tenor mit natürlicher, völlig unangestrengter vokaler Stratosphäre zu verstehen ist. Getchell wird dieser Erwartung mit Leichtigkeit, knabenhaftem Timbre und einer feinen Mischung der Register gerecht. Alles in allem ein Kleinod der Operngeschichte, vorzüglich umgesetzt.

Gerhard Persché

Charpentier: La descente d'Orphée aux enfers
Sänger und Instrumentalisten des Ensemble Correspondances, Sébastien Daucé
harmonia mundi HMM 902279 (CD); AD: 2017

↓ Tipp 3

CD Claude Debussy: «Jeux», «Khamma», «La boîte à joujoux»

Geplant hat er vieles. Ein «Aphrodite»-Ballett etwa, «Amphion», «Daphnis et Chloé», «Masques et Bergamasques», und unter dem vielversprechenden Titel «Crimen Amoris» ein «Poème chanté et dansé d’après Verlaine». Wirklich zu Ende komponiert hat Claude Debussy nur «Jeux», und das im Auftrag der Ballets russes: eine choreografische Ménage à trois, beunruhigend in ihrer Form, aufregend in ihren ekstatischen Aufschwüngen – und unerhört, was die Chromatik ihrer Klänge betrifft.

Dass Debussy auch noch andere Ballette geschrieben hat, bringt rechtzeitig zu seinem 100. Todestag am 25. März das Singapure Symphony Orchestra unter seinem Leiter Lan Shui in Erinnerung: «Khamma» etwa, eine «Légende dansée», so gar nicht nach dem Geschmack des Komponisten, der aus finanziellen Erwägungen heraus die projektierte Poe-Oper «Der Untergang des Hauses Usher» zur Seite legen muss zugunsten «der Spiralbeine irgendeiner der notorischen Tänzerinnen unserer Zeit». Gemeint ist Maud Allan, die seinerzeit mit ihrer «Vision of Salomé» die Häuser füllte.

Während «Khamma» noch wie ein Nachhall zu den beiden kurz zuvor uraufgeführten Strawinsky-Balletten «Der Feuervogel» und «Petruschka» wirkt, hört man aus Debussys nachgelassenem Ballett «La boîte à joujoux» bei jedem Ton kindliche Verspieltheit heraus. Und einen Humor, der weder vorm Selbstzitat zurückschreckt noch vor der Parodie populärer Opernmusik.

Hartmut Regitz

Claude Debussy: «Jeux», «Khamma», «La boîte à joujoux», Singapore Symphony Orchestra, Dirigent: Lan Shui; BIS