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Rezensionen November 2022

Foto: Nicole Marianna Wytyczak

Florentina Holzinger: «Ophelia’s got talent» in Berlin

Antike Meerjungfrau-Erzählungen, Shakespeares Wasserleiche Ophelia oder Schuberts «Forellenquintett» dienen als Vorlage für spektakuläre Tanzszenen, die Stepp, Folk, Pubdance und Seemannslieder zu kraftvollen und mitreißenden Gruppenchoreografien vereinen. Doch trotz des historischen Überbaus wird das Publikum intellektuell nicht überfordert, sondern ist Teil eines artistischen, zirkushaften Spektakels.

So startet der fast dreistündige Abend als leuchtende Castingshow, in der nackte Frauen des diversen und interdisziplinären Ensembles ihre Talente unter Beweis stellen und das «Ophelia-Sein» üben. Mit dabei ist die kleinwüchsige Performerin Saioa Alvarez Ruiz, deren Körper regelrecht abgefeiert wird und immer wieder – etwa mit einem Striptease mit Pümpel im Blaumann – für Furore sorgt. Waghalsiger Poledance in schwindelerregender Höhe, eine Schwertschluckerin, die das Publikum mit Hilfe einer Magensonde in ihr Inneres mitnimmt

– Aufstöhnen, Juchzen und aufgerissene Augen im Saal. Plötzliche Stille, als eine Entfesselungskünstlerin es nicht rechtzeitig schafft, sich aus einem Wasserbecken zu befreien. Das Technik-Team startet eine unbequem langsame Rettungsaktion. Ist das inszeniert? Die Frage nach Sicherheit, Risiko und geplanter Offenheit des Abends hält die Spannung hoch.

Die gesamte Rezension von Lilith Borchert lesen Sie in tanz 11/22