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Rezensionen November 2021

Véronique Gens: Passion

Véronique Gens ergreift mit Verve und Fantasie die Chance, auf kleinstem Raum die ganze Breite und Vielfalt ihrer auch nach 30-jähriger Karriere noch immer klangvollen, flexiblen Stimme sowie ihrer imaginativen Darstellungskunst auszuspielen. Mit bewundernswerter vokaler Einfühlung und Verwandlungskraft stellt sie in jeder der insgesamt zehn Szenen aus Opern von Jean-Baptiste Lully, Pascal Collasse, Marc-Antoine Charpentier und Henry Desmarets eine unverwechselbare Gestalt vor unser inneres Auge und demonstriert zudem die schier unerschöpfliche Formenvielfalt und Ausdrucksbreite dieser Musik. Virtuose Selbstdarstellung und Bravour sind, anders als in der italienischen Seria, nicht gefragt, umso mehr tragische Schönheit, edles Pathos und theatrale Erhabenheit – Eigenschaften, über die Gens in hohem Maße verfügt. Vor allem aber beherrscht sie die verbale Deklamation dieser Musik. Eindrucksvoll gleich zu Beginn die Rachearie der Arcabonne aus Lullys «Amadis», nicht minder furios die berühmte Szene der zwischen Hass und Liebe hin- und hergerissenen Titelheldin von Lullys «Armide», oder Medeas Anrufung der Verderben bringenden Dämonen aus Charpentiers «Médée». Gens glänzt nicht nur mit loderndem Feuer, sondern auch mit inwendiger Finesse und Eleganz wie in der schmerzvollen Klage der Cérès um ihre Tochter Proserpine aus Lullys gleichnamiger Oper oder der amönen Schlummerszene der allegorischen Figur der Nacht aus seinem ballet de cour «Le triomphe de l’amour», auf die echogleich der magische «Sommeil»-Chor aus Desmarets’ Divertissement «La Diane de Fontainebleau» folgt.

Véronique Gens (Sopran), Ensemble Les Surprises, Louis-Noël Bestion de Camboulas, Les Chantres du Centre de Musique Baroque de Versailles, Olivier Schneebeli

Alpha-Classics, Alpha 747

Die gesamte Rezension von Uwe Schweikert lesen Sie in Opernwelt 11/21