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Im Theater kann ich alles vergessen

Ein Porträt der Schauspielerin Marina Galic

Sie ist 15, als der Deutschlehrer die Klasse in den Schülerclub des Frankfurter Schauspielhaus bringt, zu «Parzival» von Tankred Dorst, gespielt von Jugendlichen: «Das war wie eine Offenbarung. Ich konnte erst gar nicht glauben, dass es so etwas gibt.» Sie nimmt am mehrwöchigen Casting teil, mit 100 anderen Bewerbern, und wird die nächsten vier Jahre lang mitspielen in den zwei Inszenierungen des Schülerclubs pro Jahr in den Kammerspielen und als Kleindarstellerin auch in den Produktionen auf der Großen Bühne. «Plötzlich bekam mein Leben eine Struktur. Im Theater konnte ich alles vergessen, die Realität, die Schule, die Familie. Das war mein Zuhause.»

Nach dem Abitur steht sie vor der Frage: Bildende Kunst, wie ihre beste Freundin, oder Theater? «Eigentlich hab ich mich geschämt. Ich fühlte mich so klein und wollte Schauspielerin werden! Das war so ein größenwahnsinniger Gedanke.» Aber ein Leben ohne Garderobe, ohne Proben, ohne die Treffen hinterher in der Kantine, wo Wolfram Koch am Nebentisch sitzt? Das schien unvorstellbar. Sie bewirbt sich in Frankfurt, fliegt in der zweiten Runde raus; aber in Hamburg und München klappt es, und sie hat die freie Wahl. Die Eltern plädieren für München, ordentlicher und näher an Kroatien, Marina folgt. Es wird eine gute Zeit, trotz allem. «Ich habe es geliebt, in diese Schule zu gehen. Klar, die wollten einen schon wenigstens einmal knicken, und es wurde auch geweint. Aber das war auch eine Erfahrung, die irgendwie gut war.

Es klingt vielleicht komisch, aber nur so lernt man, sich zu schützen. Und Jörg Hube, der Leiter der Falckenbergschule, hat sich später entschuldigt.» Die wichtigste Erfahrung ist die Arbeit der Schauspielschüler an den assoziierten Kammerspielen, wo sie «ein Traumensemble, wie man es sich wünscht», kennenlernt, Gisela Stein, Edgar Selge, Sibylle Canonica, Jens Harzer ... Der Wunsch nach so einem Ensemble «bleibt für immer». Umso enttäuschender, dass beim Intendantenvorspiel alle Kollegen an einem Theater unterkommen; nur sie bleibt übrig. Und geht auf Vorsprechtour. «Ich fiel irgendwie durchs Raster. In Konstanz wurde mir gesagt, ich sei ‹zu extravagant›. Diversität war in den 90ern noch kein Thema. Die wollten schon eher blond und kleine Nase.»

Das vollständige Porträt von Barbara Burckhardt lesen Sie in Theater heute 11/2020