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Typus Trost

Die aufregende Laufbahn des Schauspielers Bastian Trost

In meinen Augen sieht Bastian Trost noch aus wie damals, obwohl mir ein Mann von 45 gegenübersitzt, Verveine-Tee trinkt und Torte verspeist. Aus dem glatten Gesicht mit den klaren blauen Augen, dem rotblonden Haar und blassen Teint schaut der Junge aus dem offenen Künstlerhaushalt in Düsseldorf-Oberkassel, der mit Neuer Musik, Keramik, Ikebana und Bildender Kunst aufgewachsene Waldorf-Schüler, der seine Sozialisation auch mal mit auf die Bühne trägt.

«Im Alter schrumpfen Knaben ein zu Zwergen», zitiert Trost einen Vers aus Hans Henny Jahnns «Medea». «Oft sind die ersten Texte prägend, die du als Schauspieler sprichst.» Wie sich Älter-Werden und jugendlicher Anschein vertragen, beschäftigt ihn, nicht nur, aber auch als Schauspieler. «Ich werde zu jung besetzt.» Immer noch gehe er als Student durch. Der Typus Trost macht sich bei Kategorien dünne und rutscht – schmales Hemd – durchs Raster.

In «Creation (Pictures for Dorian)» – einem jüngeren Stück von Gob Squad, frei nach Oscar Wildes Dorian Gray – will man Trosts wippender, windiger Beflissenheit und freundlicher Miene nicht trauen. Bleibt wachsam, ob aus dem launigen Conférencier, der Menschen bei der Präsentation ihrer Ich-Erfindung anleitet, nicht noch ein Horrorclown herausspringt. «Die Aufgabe ist das Interessante für mich und lässt mich lässig sein.» So auch im vierstündigen «Are you with us?», das in kurzen Sitzungen psychodynamische und emotionale Schleudergänge und Entschleunigungsprozesse konstruiert. Mit der Aufforderung «Look at us» beginnt Trost, in Großaufnahme, und gibt dem süffisantcharmanten Gruppentherapeuten die Coolness eines Russischen-Roulette-Spielers.

Das vollständige Porträt von Andreas Wilink finden Sie in Theater heute 11/19.