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Fabeln, Funken, Fantasien

Akram Khan «Outwitting the Devil»

Akram Khan versteht sich auf ein formstrenges Theater der Grausamkeit. Auf einen Schrecken, dessen Schönheit man nie mehr vergisst. Der einen wehrlos mit sich fortreißt und einer Droge gleicht, die Beklemmung erzeugt und totale Euphorie. Die Überwältigung, die Khans jüngstes Meisterwerk «Outwitting the Devil» bei der Uraufführung im Rahmen des koproduzierenden Stuttgarter Festivals «Colours» ausgelöst hat, verliert sich nicht. In Träumen, Gedankenströmen zwischen Nacht und Tag tauchen Wochen später einzelne Bilder wieder auf, die der Choreograf und seine Mitstreiter ins Dunkel der Theaterhaus-Bühne gestanzt haben. Ihre Umrisse sind so alt wie die Welt, ursprünglich, archetypisch und kunstvoll miteinander versponnen.

Die Mythen der Menschheit schlängeln sich wie ein roter Faden durch Akram Khans Leben und Werk. Im Teenie-Alter tourte das Immigrantenkind aus Bangladesch über den Globus, als Mitglied des Multikulti-Ensembles, das der Regisseur Peter Brook 1985 für sein Mammutprojekt «Mahabharata» um sich versammelt hatte. Der Junge mit Wohnsitz in Wimbledon, der seine Tanzerziehung MTV-Clips von Michael Jackson und indischen Kathak-Lehrern verdankte, fing Theaterfeuer. Allabendlich lauschte er Legenden, die ihm die Schauspielerinnen beim Einschlafen zuraunten – Sagen aus den entlegensten Winkeln der Erde, den tiefsten Falten der Vergangenheit. Die Funken dieser Fabeln entzündeten seine Fantasie. Tradition neu zu denken, wurde Khans Mission, der Respekt vor spiritueller Weisheit sein Credo.

Den gesamte Beitrag von Dorion Weickmann finden Sie in tanz 11/19