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Theaterfotografie #11

Segen der Technik

Werner Kmetitschs Bilder stoßen auf begeisterte Resonanz

Von Florian Zinnecker

Ein gutes Foto, sagt Werner Kmetitsch, kann jeder schießen, auch in der Oper. «Das ist mit der heutigen Technik kein Problem mehr.» Aber eine komplette Produktion zu fotografieren, Szene für Szene, stets verlässlich auf demselben hohen Niveau – das mache den Unterschied zwischen Hobby- und Profifotografen aus. Und Profi wollte Werner Kmetitsch eigentlich nie werden. 

Geboren und aufgewachsen ist Kmetitsch in der Steiermark. Kurz nach der Jahrtausendwende kümmert er sich um die Computer beim Musikfestival Styriarte – als Systemadministrator. «Mit der Kamera war ich auch damals schon unterwegs, irgendwann habe ich angefangen, auf einer Probe zu fotografieren.» Seine Bilder stoßen auf begeisterte Resonanz, er dokumentiert weitere Proben, beginnt sich zu professionalisieren. «Und dann», sagt er, «wurde ich weitergereicht.» 

Zu den ersten Aufträgen gehören Porträts von Nikolaus Harnoncourt: «Viele Kollegen haben mich damals gewarnt: Pass bloß auf, er hat schon einen Haufen Fotografen aus der Probe geschmissen, weil sie die Konzentration störten. Dabei sind die spannendsten Momente oft die, in denen sich das Orchester sammelt, die Sekunde, bevor der Einsatz kommt. Also genau dann, wenn das Klickgeräusch extrem stören würde. In meinem Kopf sind unfassbar viele dieser Momente gespeichert – Bilder, die ich nicht gemacht habe.» Harnoncourt wirft ihn nicht nur nicht raus, sondern beauftragt ihn erneut. Und Kmetitsch wird weiterempfohlen: an die Oper Graz, ans Theater an der Wien, zum Musikfestival Grafenegg. Er begleitet Produktionen von Harry Kupfer, Keith Warner, Peter Konwitschny und Stefan Herheim, arbeitet für nahezu alle österreichischen Klangkörper, bis hin zu den Wiener Philharmonikern. Die Basis aber bleibt die Oper Graz.

Als ungewöhnlich betrachtet er den Schritt vom Techniker zum Fotografen ganz und gar nicht. Im Unterschied zu vielen Kollegen sind ihm die ständigen technischen Neuerungen in der Digitalfotografie vertraut. Er sieht darin kein notwendiges Übel, sondern einen Segen, auch was die Möglichkeiten der Nachbearbeitung betrifft. «Ich kann in das Material so eingreifen, dass es wirklich dem entspricht, was ich mir künstlerisch vorstelle.» Mit technischem Verstand allein ist es aber auch nicht getan. «Ästhetisches Empfinden kann man nicht trainieren. Es hat viel mit Einfühlungsvermögen zu tun, mit dem Talent, eine Situation schnell zu erfassen, die wichtigen Momente zu antizipieren und in Zehntelsekunden die richtige Entscheidung zu treffen. Da passiert sehr viel intuitiv.»

Überhaupt faszinieren Kmetitsch vor allem die Grenzen seines Metiers. «Ich versuche, eine Szene in dem Wissen abzubilden, dass ich nur den visuellen Anteil am Gesamterlebnis zu fassen bekomme. Den wichtigsten Part, die Musik, kann ich ja nicht direkt abbilden. Aber gerade das macht es spannend: Ich muss mit meinen Mitteln das Maximale herausholen. Ich kann beim Betrachter Vorfreude und Interesse wecken oder Erinnerungen schaffen. Wenn ich das schaffe, habe ich meinen Job gut gemacht.»

Bei der Arbeit im Zuschauerraum ist er ständig unterwegs. «Ich brauche Platz, bin nicht einer, der dasitzt und wartet. Ich versuche, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Das lernt man mit der Zeit.» 

Als Lieblingsfoto hat Werner Kmetitsch ein Szenenbild aus Gounods «Roméo et Juliette» an der Oper Graz ausgesucht (Inszenierung: Ben Baur; mit Sophia Brommer und Kyungho Kim in den Titelrollen). «Die Gesichter verschmelzen, überschneiden sich nahezu perfekt, die Lippen liegen so übereinander, dass sie wie ein einziger Mund wirken.» Ob ein solches Bild gelingt oder nicht, darüber entscheidet ein winziger Augenblick. «Ich habe das gesehen, fast alles passte, aber dann bin ich doch noch einen kleinen Schritt zur Seite getreten – und es war genau so, wie ich es wollte. Ein solcher Moment kommt nur ein einziges Mal. Dabei ist Glück im Spiel, auch Zufall. Aber ein reines Zufallsprodukt ist das Bild trotzdem nicht.» Der Reiz des Berufs liegt für Kmetitsch genau in dieser Offenheit: Man kann sich des Ergebnisses nie ganz sicher sein, egal wie professionell und technisch versiert man ist. «Ich bin zufrieden, wenn so etwas gelingt. Aber zu 100 Prozent? Das kommt selten vor.»