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Medien-Tipps #3

Roboterfrau Sophia, Swing Time

Sophia

Ein Roboter mit Staatsbürgerschaft

Sophia ist keine Figur aus einem Sciene-Fiction-Roman. Sie ist die Zukunft und hat als erster Roboter der Welt eine Staatsbürgerschaft erhalten. Ihr Kopf ist zweigeteilt, vorne das menschliche Antlitz, der Hinterkopf zeigt plastikumhüllte Technik. Sie sieht gut aus. Ihre Augen strahlen. Sophia kokettiert, flirtet, schließt die Augen, wenn sie nachdenkt. 

Sophia kann sogar lügen. Wenn sie gefragt wird, ob sie Menschen mag, reißt sie ungläubig und amüsiert die Augen auf, schüttelt den Kopf und antwortet dann, mit neutralem Gesichtsausdruck: „I love them“. „Keep it real“, um es mit dem Spielzeit-Motto des Theaters Hebbel-am-Ufer in Berlin zu sagen, deren WerbebotschafterInnen Sophia erschreckend ähnlich sehen.

Elena Iris Fichtner

↓ Tipp 2

Zadie Smith: «Swing Time»

Eins der beiden kleinen Ballettmädchen wird schon beim Schuhkauf bitterlich enttäuscht: „Das rosa Leder war heller, als ich gehofft hatte, es sah aus wie der Bauch eines Kätzchens, die Sohle war eine schmutzig graue Katzenzunge“ − und statt eleganter Knöchelbänder gibt es nur „ein armseliges kleines Gummiband“, das der Vater annäht. Freundin Tracey kreuzt dagegen in Satinschläppchen von Freed auf. Obwohl ihr Erzeuger im Gefängnis sitzt. Obwohl ihre alleinerziehende Mum keinen Job hat. So unterschiedlich die Elternhäuser sind, die Kinder sind durch das  abgewrackte Vorstadtquartier, die Tanzleidenschaft und die Hautfarbe verbunden. Beide sind schwarz.

Zadie Smith – Geburtsort: London, Wohnort: New York – gehört zu den vielgelobten und -bepreisten Autorinnen, die Gesellschaftskritik in packende Literatur verwandeln. „Swing Time“, in Ich-Form und Rückblenden von Traceys namenloser Kindheitsgefährtin erzählt, legt die beiden Lebenswege nebeneinander: Die eine macht eine so kurze wie belanglose Musical-Karriere im West End, die andere studiert, heuert als Assistentin bei einer Showgröße an, erschließt aber damit auch keine Glücksader. „Swing Time“ wirbelt viele Fragen auf, die westliche Gesellschaften derzeit umtreiben: Diversität, Ethnizität, die Macht medialer Inszenierung, das Auseinanderdriften der Milieus – all das spiegelt die Autorin in den berührenden Biografien ihrer Protagonistinnen. 

Dorion Weickmann

Zadie Smith: «Swing Time», Köln 2017, www.kiwi-verlag.de