Das Votum ist überwältigend und in der Geschichte der «Opernwelt»- Umfrage ein absolutes Novum: Fast die Hälfte aller befragten 50 Kritikerinnen und Kritiker gab ihre Stimme in der Rubrik «Sängerin des Jahres» Asmik Grigorian.
Man hat auf der Bühne schon viele gute und auch einige sehr gute Salomes gesehen. Eine solche jedoch noch nicht. Diese Salome ist, im wahrsten Sinn des Wortes, ver-rückter; sie ist aberwitziger, dabei existenzieller: Sie ist außer sich und doch in jeder Sekunde bei sich, ekstatisch und bodenständig. Und sie ist mehrere Salomes in einer. Das war auch schon im vergangenen Sommer so, als Asmik Grigorian ganz Salzburg in euphorische Verzückung versetzte, in dieser magischen Inszenierung von Romeo Castellucci, mit den irren Bildern, die einem mitten ins Herz schneiden, mit all den Lacan’schen Metaphern, und mittendrin mit ihr, der wunderbaren litauischen Sopranistin, die zwar schon als «Wozzeck»-Marie ein Jahr zuvor toll gewesen war, aber da hatte es noch niemand bemerkt. Salome ist eben eine Ausnahmepartie. In jeder Hinsicht.